Pippo der sizilianische Tausendfüßler

  • Hallo zusammen,

    Ich bin Dany und habe seit letztem September einen sizilianischen Tausendfüßler, der leider als blinder Passagier die Heimreise mit uns angetreten hat. Nachdem wir beim Naturschutzbund angerufen und abgeklärt haben, dass es sich um keine bedrohte Tierart handelt, wir ihn aber nicht aussetzen dürfen, da seine Art sonst invasiv wäre, haben wir beschlossen ihm sein weiteres Leben (wir wissen natürlich nicht wie alt er ist) so schön wie möglich zu machen und ein Terrarium zu besorgen.


    Der gute heißt Pippo (und ist wohl ein Pachyiulus flavipes, ca 8cm lang) und war zu Beginn deutlich aktiver, als dass er es jetzt ist. Ich habe ihn manchmal an der Oberfläche an einem Stück Gurke knabbern sehen, aber inzwischen liegt er stets eingekringelt an der selben Stelle dicht am Glas. Ab und zu sehe ich, wie sich seine Füßlein bewegen, er ist also nicht tot.


    Jetzt habe ich noch zwei weitere Probleme:

    Zum einen sind immer wieder Trauermücken im Terrarium und deren Nachschub reißt einfach nicht ab, auch wenn die Anzahl der Fliegen überschaubar ist (sichtbar vielleicht 10). Ich habe dafür eine Gelbfalle installiert - außer Reichweite für Pippo (wodurch der eh nicht aus dem Substrat kommt). Zu Beginn hatten wir ein starkes Problem, das wir dann mit Raubmilben in den Griff bekommen haben.


    Zweiteres hat die Weißasselpopulation, von denen ich im Oktober ca. 20 Stück für die Bodenpflege eingesetzt habe, in den letzten Wochen beträchtliche Ausmaße angenommen und ich frage mich, ob zu viele schädlich sind!


    Ich versuche das Terrarium (Zylinder 20cm Durchmesser) gut feucht, aber nicht zu sehr, zu halten. Es ist weißfaules Holz, getrocknetes Laub und Moos drin. Das Substrat habe ich bereits aufgefüllt, da es stark eingesackt ist. Wenn ich es öffne riecht es angenehm waldig. Hier findet ihr noch ein paar Fotos.


    Daher meine Fragen:

    • Kann ich etwas tun, dass der Tausendfüßler aktiver ist oder ist das normal, wie er sich verhält?
    • Habt ihr dauerhaft wirksame Best Practise gegen Trauermücken (die kleinstmögliche Raubmilben-Packungsgröße ist für unser Terrarium überdimensioniert).
    • Ab wann sind es zu viele Asseln? Was mache ich mit der Überpopulation?


    Ich freu mich auf eure Antworten und wenn ihr Fragen habt, um etwas genauer beantworten zu können, stellt sie mir gern :)


    Es wäre schön, wenn wir uns hier auf Augenhöhe unterhalten könnten - ich kenne das aus anderen Tierforen, dass man schnell als Tierquäler abgestempelt wir, wenn man etwas falsch macht. Ich bin neu was die Pflege von Tausenfüßlern angeht und immerhin bin ich ungewollt Tausi-Mama geworden und versuche nur, ihm gerade das bestmögliche Leben zu bieten. 😅

  • Hi 😊

    Willkommen hier im Forum ✌️😊

    Gut möglich dass sich der Kleine gerade häutet. Das kann schon mal bissl länger dauern. Sollte dies also der Fall sein,keine Panik.

    Trauermücken.. ja...immer scheiße 😅 das kennt wohl jeder hier😵‍💫 Ich würde dir raten die Gelbtafel außerhalb des Gefäßes zu befestigen. Wenns blöd läuft ist der Kleine doch mal aktiver,klettert rum und schon hängt er dran fest😬 am besten außerhalb, sehr nah an den Belüftungslöchern platzieren.

    Wenn bei mir die Asseln überhand genommen haben machte ich immer folgendes:

    Stück Obst rein oder eine kleine Schale mit Fischfutter. Diese wurde dann nach kurzer Zeit von den Asseln bevölkert. Dann schnell reinlangen und das Obst/die Schale entfernen. Hat bei mir immer sehr gut funktioniert 👍🙂

    Wegen dem Substrat: hast du das selbst gesammelt oder bestellt? Auf den Bildern sieht es schon sehr zersetzt aus (der untere, schwarze Bereich).

    Ich verlinke dir mal unseren ● Leitfaden für Anfänger in der Diplopodenhaltung● , dort findest du alles wichtige, auch zum Thema Substrat 🙂

    LG,

    Basti

  • Ich würde mal an der Fütterung schrauben. Ein bisschen Fischfutter, flechtenbewachsene Ästchen, frisches feuchtes grünes Waldmoos. Trauermücken waren bei mir nur zu Anfang ein Problem. Nach dem "Einfahren" des Terras hat sich das Problem erledigt.

    Willst du nach dem Ableben von Pippo mit der Terraristik weitermachen? Wenn ja, würde ich dir eine Asselart empfehlen, die sich nicht so stark vermehrt und die man bei Bedarf auch gut verkaufen kann. Bei mir sinds Ardentiella.

    Diese Zylinder sehen schon recht stylisch aus. Wie händeln sie sich? Hab auch schon überlegt, ob ich mir so ein Teil zulege.

    Herzliche Grüße

    Leeloo

  • Hi :)

    vielen lieben Dank für eure Antworten und eure Tipps! Ich werde sie alle beherzigen und Stück für Stück umsetzen. Den Leitfaden werde ich mir auf jeden Fall reinziehen, das ist wirklich gold wert!

    Zum Thema Häutung:
    Das habe ich auch vermutet, ich hab allerdings nachgelesen, dass sich nur sehr junge Tiere häuten. Bei meinem Tausendfüssler vermute ich, dass er schon ein ausgewachsenes Exemplar ist (rein wegen der Größe, aber ich kann mich auch irren). Hast du noch andere Ideen, wieso er sich kaum bewegt?

    Zum Thema Trauermücken:
    Zu Beginn hatte ich auch ein riesiges Problem, so dass es im Terrarium nur davon gewimmelt hat. Da haben mir eben die Raubmilben gut geholfen. Inzwischen hat sich ein Grundrauschen eingestellt. Es sind immer wieder welche drin, hauptsächlich eine kleine Anzahl, aber natürlich kommen auch immer wieder welche nach. Ich habe bei mir in der Wohnung recht viele Pflanzen, weshalb sich die, die dann entfliehen in der Erde absetzen und umgekehrt. Wirklich sehr lästig!

    Zum Thema Asseln:
    Den Tipp mit einem Stück Gurke habe ich probiert, aber es sind keine Asseln darauf gewesen. Lediglich die Trauermücken haben ihre Eier reingelegt (kleine schwarze Punkte). Ich probiere es nochmal mit einem dünneren Stück und lege es dann auch direkt ins Moos.
    Ab wann erkenne ich denn, dass es "zu viele" sind, das kann ich ganz schlecht einschätzen. Und noch wichtiger: was mache ich dann mit den "gesammelten" Asseln? Einfach im Garten ausetzen? Es sind wie gesagt weiße Asseln. Und danke für den Tipp zu der anderen Asselart :)

    Zum Thema Substrat:
    Hier habe ich mir von Insektenliebe ein vorgefertiges Substrat bestellt, damit nichts ungewollt Fremdes im Terrarium landet. Grundsätzlich setzt sich das Substrat extrem schnell ab, jetzt ist ein gutes 3/4 Jahr vorgangen und ich habe schon 2 Mal nachgefüllt (habe nur das Moos aus dem Terrarium rausgenommen, Substrat nachgefüllt, Moos wieder drauf).

    Zum Futter-Thema:
    Das werde ich mal ausprobieren. Ist bei frischem Moos aber nicht die Gefahr, dass ich etwas mit einschleppe?

    Zum Zylinder-Terrarium:
    Ich finde es okay für meinen Anwendungsfall, da ich ja nur einen Tausendfüssler habe. Man sieht ihn dadurch am Rand immer recht gut. Öffnen kann man es nur durch die vordere Tür, weshalb es ein bisschen schwer ist das Terrarium einzurichten. Außerdem hat die Tür einen kleinen Spalt, wo das ein oder andere Tier schon mal entkommen könnte, je nachdem was man beherbergt. Die Tür ist aber recht weit oben, so dass viel Platz für Substrat bleibt. Für mehr als ein Tier würde ich es aber wahrscheinlich nicht nehmen.

    Ob ich später mal weiter mache, wird sich zeigen. Jetzt hab ich ja alles da, also spricht nichts dagegen und es macht wirklich Spaß die Tierchen zu beobachten :)
    So, ich glaub das wars zu allen Themen :)

  • Hi

    Ab wann erkenne ich denn, dass es "zu viele" sind, das kann ich ganz schlecht einschätzen. Und noch wichtiger: was mache ich dann mit den "gesammelten" Asseln? Einfach im Garten ausetzen? Es sind wie gesagt weiße Asseln.

    Meiner Erfahrung nach pendelt sich die Asselpopulation bei begrenztem Platz und Futter irgendwo ein. Obwohl weisse Asseln kaum bei uns im Freien überleben dürften, ist das Aussetzen exotischer Tiere naturschützerisch und rechtlich problematisch. Ich friere mein altes Substrat jeweils ein, bevor ich es entsorge (in mehreren Malen, da nicht alles im Tiefkühler platz hat).

    Ist bei frischem Moos aber nicht die Gefahr, dass ich etwas mit einschleppe?

    Moos kannst du gut auch ein paar Tage trocknen lassen. Damit verringerst du die Gefahr einer Einschleppung. Das irgendwelche Eier irgendwelcher Tiere das überleben, kann man aber nicht mit Sicherheit ausschliessen.

    LG, Mohammed

  • Zum Thema Trauermücken kann ich berichten, dass eine ganz normale Hausspinne über dem Lüftungsgitter gute Dienste leistet. Ich hab das Problem nicht mehr, dafür Spinnen - aber nur normale Hausspinnen mit dünnen Beinchen.

  • Hallöchen,

    Pippo ist inzwischen wieder aufgetaucht und wir sehen ihn wieder öfters :) da freu ich mich sehr drüber!

    Auch die Trauermücken-Population hab ich jetzt auf fast 0 runter.

    Da das Substrat ja doch recht schnell einfällt und wir nun zwei mal aufgefüllt haben, wollten wir nun bald einen Substratwechsel machen. Daher wäre hier mal noch meine Frage, ob mir jemand erklären kann, wie ich das genau mache - ich habe im Forum und in der Anleitung für Anfänger leider keine konkreten Schritte gefunden 🙈

    Was gibt es da zu beachten? Mische ich das alte Substrat unter oder lege ich es oben drauf? Habt ihr Tipps wie ich den Tausendfüßler vorher am besten gesichert bekomme?


    Lieben Dank im Vorraus ☺️

  • Huhu


    Wenn du nur einen Tausendfüsser hast und keinen Nachwuchs, ist der Substratwechsel zügig erledigt.

    Ich würde ihm eine kleinere Box mit Substrat, etwas Moos und z. B. einer Korkröhre herrichten und ihn abends, wenn er sich blicken lässt, absammeln. Etwas Leckeres wie Gurke könnte ihn vorlocken.

    Idealerweise machst du am nächsten Tag den Substratwechsel. Wenige Tage in der Box ist aber auch kein Problem. Je nachdem, wie gross die Box ist.


    Ich kann dir sagen, wie ich den Substratwechsel mache. Das macht jeder ein bisschen anders.

    Ich habe eine grössere Plastikbox mit Luftlöchern im Deckel für mein verbrauchtes Substrat. Das brauchst du nicht unbedingt, weil bei dir ja nur der eine Füsser drin ist und kein Nachwuchs. Aber irgendeine Box brauchst du schon zum Ausräumen.

    Ich räume erst vorsichtig die Einrichtung heraus und lege sie in einen Eimer o. ä. Dann lockere ich vorsichtig das Substrat mit den Händen und nehme davon kleinere Portionen, die ich durch meine Finger in die Substratbox rieseln lasse. Dabei achte ich auf Nachwuchs.

    Gefundene Füsser sortiere ich in eine vorbereitete Box.

    Wenn alles Substrat draussen ist, putze ich das Terra von innen. Das hasse ich wie die Pest.

    Wenn alles sauber ist, mische ich mein neues Substrat.

    Das weissfaule Holz und die verrotteten Blätter sind schon vorbereitet. Das lasse ich nach dem Sammeln und Trocknen durch den Häcksler und lagere es im Keller. Moos lagere ich auch getrocknet im Keller.

    In die Holz-/Blättermischung mache ich etwas Kalk. Dann kommt eine gute Portion vom alten Substrat dazu. Das ist mein Erdanteil. Sand lasse ich weg. Dann kippe ich Wasser dazu und vermische alle, bis es die richtige Feuchte hat.

    Wenn man es zusammenpresst, sollte nur ganz wenig Wasser rauskommen.


    Ich arbeite mit Korkröhren. Die stelle ich als Grundgerüst an die Terrawände. Darunter eine Schicht Substrat.

    Wenn die Korkröhren stehen, kommen noch Äste dazu. Das stabilisiere ich durch das Substrat, das ich anschütte und ich verkeile das auch untereinander. Dann kommt alles Substrat rein, nur ganz leicht andrücken, damit es ein bisschen stabiler ist.

    Das fällt schnell zusammen, so dass ich nach vier Wochen oder so noch einmal Substrat dazu fülle.

    Ich bastle dann noch unter die Terradecke Äste, die ich irgendwie verkeile und festklemme.

    Zum Schluss kommen Kokoshäuschen, Korkröhren und Moos auf das Substrat und dann die Füsser wieder rein.


    Die erste Zeit mache ich kein Zusatzfutter rein, weil das Terra erst wieder einfahren muss.

    Manchmal kommt die erste Zeit etwas Schimmel, den mache ich einfach raus. Wenn ich faul bin, mache ich den nur ein bisschen unters Substrat. Das erledigt sich recht schnell.

    Liebe Grüße

    Sabine

  • Hi, das ist echt eine klasse Anleitung, vielen Dank für die Hilfe :)

    Jetzt habe ich noch eine Frage 🙈 Habe gerade entdeckt, dass sich in meinem gekauften Substrat-Beutel (vorgefertigtes Substrat für Tausendfüßler) Trauermücken eingenistet haben. Hilft hier einfrieren oder muss ich den Sack komplett wegwerfen?

  • Hi, weiss nicht, ob Einfrieren hilt bzw. wie lange man das machen muss. Ich würde es auf jeden Fall versuchen und nicht wegwerfen.

    Letztlich wird es immer Trauermücken geben, man kann nur die Zahl auf ein erträgliches Mass reduzieren.

    Liebe Grüße

    Sabine