Zephroniidae spec. (cf. Tigridosphaera sp.) Erfahrung

  • Guten Tag,

    ich möchte hier kurz meine Erfahrungen zu einer regelmäßig verfügbaren, unbestimmten Riesenkugler Art aus dem Cameron Hills, Malaysia festhalten. Vorab: kein Erfolg.

    Die Art wird als Zephronia sp. verkauft, gehört aber wahrscheinlich der Gattung Tigridosphaera an. Eine genaue Bestimmung ist nicht möglich, da die Riesenkugler aus dieser Region Taxonomisch aufgearbeitet werden müssen.


    Ich habe am 27. September letzten Jahres 10 wildgefangene Exemplare gekauft, wovon drei/vier bereits tot ankamen. Sie wurden zusammen mit einzelnen Laubblättern und wenigen Kotpellets* in kleine Plastikdosen gepresst, diese waren zu klein um überhaupt das auskugeln der Tiere zu ermöglich. Somit war der zwei bis dreitägige Versand bereits sehr stressig für die Tiere. Auch dass ich sie erst zwei Wochen nach Import gekauft habe, hat der Gesundheit der Tiere sicherlich nicht gut getan.

    *Die in den Boxen beinhalteten Kotpellets waren Lehmartig, grob rechteckig und 4mm lang.

    Allgemeine Beschreibung:
    30-45mm große Sphaerotheriida (Zephroniidae, vermutlich Tigridosphaera spec.). Die Segmente tragen einen dünnen, schwarzen Rand auf dem eine orangene Grundfärbung folgt. Das große Analschild ist komplett in dem selben orangenen Farbton gefärbt.
    Fundort soll Malaysia, Cameron Hills sein.

    Als( zusammengerollt/eingekugelt) Durchmesser habe ich für ein großes Exemplar etwa 28mm notiert. Lebendgewicht 8 Gramm.


    Körperlänge des größten konservierten Exemplares, ausgestreckt ~45mm, Breite des Brustschildes ca 19mm. Sedimentablagerung (grau-braun) am nach unten gerichteten, dünnen Rand des Brustschildes, direkt unterhalb der verdickten, oval-fast U-förmigen Struktur des Brustschildes.
    Färbung des ersten Segmentes nach dem Brustschild:
    1,8mm schwarze Färbung (sichtbarer Rand wenn ausgestreckt), 2,8mm orangene Färbung dahinter, diese ist nur sichtbar bei Beugung und Einrollung.

    [Anmerkung: kleineres Exemplar trägt schwarz umrandetes „Ausschlupfloch“ (~0,6mm?) im oberen, rechten Teil des Analschildes.
    (Vgl. (paraphrasierte) persönliche Anmerkung Rene Werndl: 15 verstorbene Sphaerobelum sp. „Thailand“ Exemplare hatten schwarze Löcher auf dem Körper, den zwei langfristig Überlebenden fehlten diese.)
    Kleine (1mm) Dipteren-ähnliche Tiere krabbelten auf den Sphaerotheriida Körpern zum Zeitpunkt der Konservierung. Ob es sich hier um Parasiten/Parasitoiden oder postmortem angelockte Aasfresser handelt ist unklar.]

    Ich habe die Tiere tagsüber bei etwa 22Grad mit Nachtabsenkung auf 16 Grad gehalten, in einer 20ltr Box. Hohe Feuchtigkeit. Mein Saftkugler-Laub haben sie in großen Mengen gefressen.


    Am 12. Oktober hatte sich die Anzahl lebender Tiere auf drei Stück reduziert.
    Die starke Gewichtsabnahme, die viele Halter bei ihren halbtoten/sterbenden Riesenkuglern beobachten, konnte ich nicht feststellen. Exemplare lagen eines Tages tot in der Box, ohne von ihrem hohen Lebendgewicht verloren zu haben. Kein Exemplar hatte sich in meiner Hand leicht angefühlt. Sie standen nicht nur im Futter, sie haben auch viel gefressen.

    Die anfangs lehmigen Kotpellets wurden schnell durch organisch, braune Ersetzt, nachdem sie ihren Verdauungstrakt dem Material entleert haben, dass sie vor dem Versand gefressen haben.

    Die Schicht aus Kotpellets war in der Box zu diesem Zeitpunkt fast 2cm hoch.

    Am ersten November, ein Monat nach erhalt, waren noch drei Exemplare am Leben. Zwei waren groß, ich habe mir die Gewichte 6,5 und 7,3g notiert.

    Mitte Dezember verstarben zwei weitere Exemplare. Das letzte, ein 45mm (ausgerollt) Riese, verstarb Anfang Februar.


    Moose, Flechten, Buchenlaub und gammeliges Holz wurden allesamt nicht gefressen.

    Es ist auch eine der Arten, von der ich keinerlei Erfolgsgeschichten kennen.

    Zusammengefasst: Finger weg!

    Händler verdienen mit dieser Art nettes Geld, wären die Tiere verrecken.

  • Huhu Beelte,

    kleineres Exemplar trägt schwarz umrandetes „Ausschlupfloch“ (~0,6mm?) im oberen, rechten Teil des Analschildes.

    [...] 15 verstorbene Sphaerobelum sp. „Thailand“ Exemplare hatten schwarze Löcher auf dem Körper, den zwei langfristig Überlebenden fehlten diese.

    Sehr interessant! Wenngleich ich mich mit Kuglern mal so rein gar nicht auskenne, überlege ich aufgrund der oben zitierten Schilderungen, ob die Todesursache in einem "Parasitenbefall" zu suchen ist? Bei dem Wort "Ausschlupfloch" assoziiere ich, dass die Kugler womöglich von einer Art "Schlupfwespe" o. ä. befallen wurden - also ein Insekt, welches mittels Legestachel Eier in den lebenden Organismus "einbringt", und dieser als Wirt, bzw. Futterreservoir für die sich entwickelnden Larven dient, bis diese dann aus ihrem Wirtstier herausschlüpfen. Das Wirtstier stirbt, nat. an den Folgen. Jedoch wäre dann vermutlich ein Gewichtsverlust zu verzeichnen, da der Wirt ja von innen heraus aufgefressen wird, oder? Wobei ... Vielleicht auch nicht, denn die vom Wirtstier zehrenden Larven nehmen ja im Laufe der Zeit ihrerseits an Größe und Gewicht zu! Somit wird zwar das Wirtstier immer leichter, aber "sein Gepäck" (parasitäre Larven) immer schwerer. Also würde es gar nicht auffallen, dass das Wirtstier abnimmt.

    Auch überlege ich mir, ob deine Kugler, die deiner Schilderung nach gut fraßen, evtl. das Futter nicht entsprechend aufspalten konnten, sodass sie dennoch verhungert sind. Du sagst, ihre ursprünglichen Köttel waren sehr lehmhaltig. Wäre es nicht denkbar, dass die genau das im Verdauungstrakt benötigen - sei es der Lehm/das Sandgemisch an sich, welcher als Ballaststoff fungiert oder auch, um die Futterbestandteile zu zermahlen (ähnlich wie bei Hühnern z. B., die entsprechende Kiesel mit der Nahrung aufnehmen müssen) oder darin enthaltene Mikroorganismen oder auch Algen, die darauf wachsen.

    Da ich mich jedoch, wie gesagt, in der Materie überhaupt nicht auskenne, können meine Gedanken nat. auch völliger Humbug sein ...

    Liebe Grüße

  • Auch überlege ich mir, ob deine Kugler, die deiner Schilderung nach gut fraßen, evtl. das Futter nicht entsprechend aufspalten konnten, sodass sie dennoch verhungert sind. Du sagst, ihre ursprünglichen Köttel waren sehr lehmhaltig. Wäre es nicht denkbar, dass die genau das im Verdauungstrakt benötigen - sei es der Lehm/das Sandgemisch an sich, welcher als Ballaststoff fungiert oder auch, um die Futterbestandteile zu zermahlen (ähnlich wie bei Hühnern z. B., die entsprechende Kiesel mit der Nahrung aufnehmen müssen) oder darin enthaltene Mikroorganismen oder auch Algen, die darauf wachsen.

    Ich sage es mal so:

    in keiner der mir bekannten, erfolgreichen Riesenkuglernachzuchten wurde Lehm verwendet. Sicherlich ist inorganisches Material gut für die Tiere, meine Saftkugler nehmen es öfters auf, aber vielleicht nicht unabdingbar.

    Sie waren nicht nur lehmhaltig, sondern soweit es mit dem Auge erkennbar war, nur aus Lehm und Sandpartikeln bestehend - ohne Hinweise auf Laub o.ä.

    Viele Grüße

  • Hallo

    es lassen sich einige Arten halten und auch züchten. Das bleibt den allermeisten Hobbyisten aber aus verschiedensten Gründen verwehrt.

    Das wusste ich nicht. Ich kenne vor allem die Beiträge aus diesem Forum, wo es abgesehen von dem einen Fall bei Solaris jedes Mal nicht geklappt hat. Da braucht es aber wohl sehr spezifische Haltungsbedingungen und entsprechendes Know-How.

    LG

  • Hallo,

    ich hatte die Art auch mal vor 10 Jahren oderso kurzfristig in der Haltung. Ohne Erfolg. Mein Verdacht war dass die größten Tiere mehr Reserven haben und deshalb langsamer verhungern. Ein frisch abgetötetes Tier war auch voller Eier, diese wurden wohl bei anderen resorbiert.

    Wie war denn das vn Dir angebotene und aufgenommene Laubgemisch (sauer, alkalisch; zersetzt, schon schwarz?)? Ich hattees schon mehrmals bei Riesenkuglern dass auch das Laub nicht gefressen wurde. Oder es wurde gefressen, dann plötzlich nichtmehr, Neues wurde dann wieder 1-2 Tage lang gefressen usw.

    Generell scheinen (fast) alle Riesenkugler die ich gesehen habe voller Parasiten zu sein. Nematoden, Gergarinen und Nermertini - auf madagassischen auch parasitische Milbenlarven.

  • Wie war denn das vn Dir angebotene und aufgenommene Laubgemisch (sauer, alkalisch; zersetzt, schon schwarz?)? Ich hattees schon mehrmals bei Riesenkuglern dass auch das Laub nicht gefressen wurde. Oder es wurde gefressen, dann plötzlich nichtmehr, Neues wurde dann wieder 1-2 Tage lang gefressen usw.

    Hallo Thomas,

    das war das stinknormale weit zersetzte, sehr weiche, braune Esskastanienlaub das ich für meine Kugler zubereite. Das wird recht sauer sein, der Untergrund ist Rhyolith/Buntsandstein.

    MfG