Kognitive Fähigkeiten bei Diplopoden?

Hallo zusammen, in den nächsten Tagen könnte es hin und wieder zu Unerreichbarkeit der Domains forum.diplopoda.de sowie dipopoda.de kommen. Für die zukünftige Administration bin ich am Umstrukturieren des Server-Aufbaues. Tut mir leid, dass es in letzter Zeit gehäuft zu solchen Arbeiten kommt. Danach sollte aber soweit keine weiteren Einschränkungen mehr bestehen. LG, Robert
  • Moin zusammen,

    Ich hab hier eine Frage die mich nicht loslässt und ich wollte einfach mal verschiedene Meinungen dazu hören auch wenn das meiste dazu wahrscheinlich nur Spekulationen sein werden.

    Können Diplopoden sich an ihre Umgebung gewöhnen/ die Umgebung kennenlernen?

    Können sie Sich an bestimmte Orte oder vielleicht sogar Wege erinnern bzw. können Sie sich überhaupt erinnern so wie z.B. Bienen oder andere Insekten?

    Können Diplopoden lernen oder sich an gewisse Rhythmen anpassen wie z.B. Tageslänge oder dass es bei mir im Terrarium jeden Samstag futter gibt?

    Bin mal gespannt auf eure Antworten.

    Gruß Johnny

    Gruß Johnny

  • Hi Johnny,

    Also Diplopoden sehen nicht wirklich gut,unterscheiden eher zwischen hell und dunkel.

    Riechen können sie allerdings sehr gut.

    Ich denke sie sondern Duftstoffe aus denen sie dann wieder folgen.

    Somit finden sie z.B auch wieder ihren Lieblingsschlafplatz,verschieden Wege über Äste oder auch das Frischfutter.

    LG,

    Basti

    LG,

    Basti

  • Es ist in etwa so, wie Basti das schreibt, aber da kann man nicht von "geistigen Fähigkeiten" sprechen.
    Da sie ja immer etwas Wehrsekret abgeben, können sie auch Wege wiederholt gehen, denke schon, dass sie ein olfaktorisches "Bild" ihrer Umgebung haben. Wir haben nur das Problem das zu erkennen, weil wir nicht wissen, ob da Erinnerung ist oder einfach eine olfaktorische Reizabfolge.
    Es gibt genügend Beispiele in der Verhaltensforschung, bei denen der Beobachter völlig falsche Schlüsse aus dem Verhalten von Tieren gezogen hat, weil er eben nur mit den Augen "beobachten" kann und die ganzen olfaktorischen Felder überhaupt nicht wahr nimmt.
    Man sollte also bei einer Beurteilung von Tätigkeiten der Diplopoden recht vorsichtig sein.

  • Hallo miteinander

    Ist es möglich, dass sich Diplopoden an ein bestimmtes Geräuschmuster gewöhnen oder es wieder erkennen?

    Als ich das Terrarium neu im Wohnzimmer stehen hatte, sind alle ganz schnell verschwunden, wenn ich angefangen habe, zu staubsaugen.

    Inzwischen scheinen sie da nicht mehr darauf zu reagieren, zumindest nicht so, dass mir etwas auffällt.

    Liebe Grüße

    Sabine

    Liebe Grüße

    Sabine

  • Das würde ich auch so bestätigen/vermuten.

    Hab zwei Terras direkt neben meiner Musikanlage stehen und anfangs haben sich die Kleinen zusammen gerollt wenn ich die Musik angemacht hatte (die Boxen stehen sehr nah an den Terras... :pinch: ), jetzt nicht mehr

    Auch saugen ist kein Problem mehr.

    Denke also schon dass die Tiere sich daran gewöhnen.

    LG,

    Basti

    LG,

    Basti

  • Ich habe meine Gigas noch nicht so lange, (Ende Nov. `19)

    beobachte sie allerdings sehr oft,

    wie sie regelmäßig ca. zur selben Zeit aus den selben Löchern kommen.

    Verdacht auf gewohnte Schlafplätze?

    Auch die dicken Äste nach oben werden zielgerichtet angesteuert und beklettert.

    ( Duftspur folgend? ;))

    Allerdings pendeln sie mit dem Kopf dabei, ich denke, sie riechen was und testen, wo der Weg weiter geht.

    Ein sehr interessantes und spannendes Thema :thumbup:

    LG Bärbel

  • Danke schonmal für die Vielen Antworten,

    Dass Tausendfüßer auch hören, bzw auf akustische Reize reagieren war mir bisher komlpett neu.

    Ich kenne so ein ähnliches Verhalten vonBaumlebenden Vogelspinnen wie z.B. Poecilotheria spezies die auf knisternde Geräusche Ihre Höhlen verlassen weil Sie denken dass es der Regen ist, der auf die Blätter prasselt.

    Finde es mega interressant dass Tausendfüßer sowas anscheinend auch können^^.

    Das Pendeln was Panka beschreibt ist mir auch schon aufgefallen, jedoch dachte ich dass die Tiere einfach nur fühlen wo der Ast weitergeht, aber die These mit der Duftspur gefällt mir noch besser:thumbup:.

    Hoffe das sich noch mehr Leute beteiligen, bin sehr gespannt was andere dazu sagen

    Gruß Johnny

    Gruß Johnny

    Edited once, last by JohnnyG (February 10, 2020 at 12:18 PM).

  • Danke für den Hinweis Shura. :thumbup:
    Im eingerollten Ruhezustand dürfte vor allem das „Tömösvárysche Organ“ aktiv sein, mit einer Kombination aus Mechanorezeptoren für Druck- und Schallwellen und Feuchterezeptoren, so dass das Tier auch im Ruhezustand immer die notwendigen, lebenswichtigen Umgebungsinformationen erhält.

  • Off Topic

    Ich kenne so ein ähnliches Verhalten vonBaumlebenden Vogelspinnen wie z.B. Poecilotheria spezies die auf knisternde Geräusche Ihre Höhlen verlassen weil Sie denken dass es der Regen ist, der auf die Blätter prasselt.

    Alle Vogelspinnen empfangen mit ihren Haaren Druckwellen, die Schallwellen heißen, wenn sie in unserem hörbaren Bereich liegen.
    Was und ob die Spinnen dabei "denken" wissen wir nicht! Wenn sie darauf reagieren, so können sie als Jäger wahrscheinlich eher auf eine Beute lauern.

  • Eine wirklich sehr interessante Diskussion :-).

    Wo es sich tatsächlich um abstraktes Lernen und dadurch erworbene Informationen handelt, würde ich von "kognitiven Leistungen" bzw. "Fähigkeiten" sprechen. Das ist naturwissenschaftlich unverfänglicher. Warum sollten kognitive Lernvorgänge, etwa über Wegverläufe nach Geruch, Tasteigenschaften oder Oberflächenmorphologie nicht auch bei Diplos vorhanden sein? Bei verschiedenen Spinnenarten, bei Bienen und bei Fliegen hat man Lernfähigkeit und sogar Träumen längst nachgewiesen - Fruchtfliegen etwa profitieren von Schlafphasen gesundheitlich ähnlich wie wir.

    Ich denke einfach, man sollte kein Lebewesen unterschätzen. Das geht bei den Pflanzen los, die aufgrund gewisser Sinnesorgane die Schwerkraft wahrnehmen und ihr Wachstum nach oben und unten ausrichten. Bei technischen Steuerungen sprechen wir von "intelligenten Systemen", das lässt sich so sicherlich auch für die Sinnes- und Orientierungsleistungen von Gliedertieren anwenden, ohne dass damit eine tatsächliche Aussage über höhere oder niederere Intelligenz getroffen ist. Wichtig ist, dass das ganze eben als Gigas, als Centro oder was auch immer in seinem jeweiligen Lebensraum funktioniert:).

    Das Kopfpendeln beobachte ich bei meinen Füßlern auch, wenn sie einen Ast oder den Lüftungssteg entlang laufen, mit der Schreitbewegung der Beinpaare eine elegante, fließende Einheit. Neulich hing ein Spec 1 oben an der Silikonnaht und versuchte sich zu dem winzigen Spat runterzuhangeln, wo die Schiebetür leider nicht ganz schließt - zum Glück zu schmal für ein ausgewachsenes Exemplar, und von dort oben hätte er nicht genug Druck aufbauen können, um den Spalt weiter aufzustemmen. Aber das Ausbrechen würden sie schnell lernen;).

  • Das war mega spannend zu lesen Mardonius :D:thumbup:

    "Wenn ich es schaffe, das auf mein Klopfen an der Terrarium-Scheibe alle Tausis angelaufen kommen und sich ein Leckerlie abholen...8|...dann...:whistling:8o"

    Nee, das war Spaß :D

    (Ich bilde zur Zeit meinen Hund aus und da hatte ich eben die Idee,

    warum nicht auch Tausis dressieren :headbang:)

    Ich werde meine Tausis jetzt noch genauer Beobachten und Studieren ;)

    LG Bärbel

  • JohnnyG February 11, 2020 at 5:50 PM

    Changed the title of the thread from “Geistige Fähigkeiten bei Diplopoden?” to “Kognitive Fähigkeiten bei Diplopoden?”.
  • Das mit dem Zitieren hat irgendwie nicht so recht geklappt. Muss mich noch zurechtfinden, wie das richtig geht ... :P

    Liebe Grüße :)

  • Hi Kordel,

    Nö, absurd ist die Frage nicht, eher interessant :):thumbup:

    Also ich kann folgendes Berichten:

    die ersten Jahre hab ich bei jedem Substratwechsel alles aus dem Terra entfernt. Also Höhlen, Äste usw... Danach dann natürlich wieder neu eingerichtet und ich kann sagen die Tiere wirkten nie großartig gestresster als wenn ich sie so mal aus dem Terra nehme. Dass sie sich nach dem einsetzen ins Terra sofort unter Dauerlauf eine Versteckmöglichkeit suchen , was vielleicht bissl gestresst rüber kommen kann, ist Instinkt.

    Seit einiger Zeit nutze ich Korkröhren, diese bilden quasi das Grundgerüst für alle Kletteräste (welche regelmäßig erneuert werden).

    Diese bleiben also immer im Terra, werden erst ausgetauscht wenn sie kaputt sind. Setze ich die Tiere jetzt in ihr mit neuem Substrat aufgefüllten Terra, indem sich aber die "bekannten" Korkröhre befinden, kann ich keinerlei Veränderung im Verhalten feststellen.

    Der Fluchtinstinkt ist direkt beim einsetzen da, genau wie zuvor.

    Auch allgemein, wechselt man die Äste im Terra verfallen die Tiere nicht in Panik sondern suchen sich sofort den leckersten Ast mit den besten Flechten aus und legen los zu knabbern^^

    Unsere Tiere sind da also schon recht entspannt, so jedenfalls meine Erfahrung:thumbup:

    LG,

    Basti

  • Huhu Basti,

    solche Beobachtungen aus der Praxis sind sehr aufschlussreich und wichtig, denke ich.

    Wenn man Theorien aufstellt, so wie ich es ja in meiner Frage irgendwie getan hatte, bedeutet das nämlich noch gar nichts, weil die Beobachtungen in der Praxis, sprich am Tier selbst, fehlen.

    Insofern bin ich jedenfalls sehr beruhigt, dass Tausis derartige Komplettveränderungen offensichtlich völlig unbeeindruckt hinnehmen. :)

    Liebe Grüße :)

  • Huhu beate ,

    vielen Dank auch für deinen Erfahrungsbericht. :):thumbup:

    Ich neige dazu, mir den Kopf über alles bis in die kleinsten Winkel zu zerbrechen und "verkompliziere" mir damit oft vieles, denn das "Zerdenken" findet ja nur im Geiste statt und ist somit häufig bloße Theorie, welche dann mit der Praxis wenig zu tun hat.

    Wenn meine Tierchen erst einmal bei mir leben, kann ich eigene Beobachtungen machen und meine Schlüsse daraus ziehen, welche ich dann mit euch besprechen/beraten kann. Dann wird es sehr spannend, was für Rückschlüsse insgesamt so gezogen werden.

    Liebe Grüße :)

  • Ich neige dazu, mir den Kopf über alles bis in die kleinsten Winkel zu zerbrechen und "verkompliziere" mir damit oft vieles, denn das "Zerdenken" findet ja nur im Geiste statt und ist somit häufig bloße Theorie, welche dann mit der Praxis wenig zu tun hat.

    Lieber so als sich überhaupt keine Gedanken zu machen, das passt schon so:):thumbup:

    LG,

    Basti