Angepinnt Konservierung

    Konservierung

    Hallo zusammen,

    durch Chris (baox) bin ich gestern darauf gekommen, dass es im Forum noch kein Thema zur Konservierung/Lagerung von toten Tausendfüßern gibt.

    Interessant ist das für Leute die ab und zu einheimische Tausendfüßer sammeln und diese bestimmen wie auch für Leute die einfach einen toten exotischen Tausendfüßer haben, vor allem unbestimmte Arten, und diesen bestimmt haben wollen.

    Es gibt zwei Möglichkeiten:

    1) Billige Variante:

    Benötigte Materialien: Brennspiritus, dest. Wasser und Glycerin

    Der Brennspritus (z.B. Drogeriemarkt, meistens so ~99%iger Mischalkohol) wird mit dem dest. Wasser auf 70% verdünnt und 5% Glycerin hinzugegeben.

    Diese Variante ist billig (ca. 3 € / Liter) und einfach zu bekommen. Nachteil ist, dass der Brennspiritus sehr stark riecht und die eingelegten Tiere brüchig werden und sehr schnell Farbe verlieren.

    2) Teurere Variante:

    Benötigte Materialien: Ispropanol, dest. Wasser und Glycerin

    Isopropanol bekommt man in der Apotheke und man muss u.U. nicht mal selber mischen sondern lässt den Apotheker folgende Mischung machen:

    70%igen Isopropanol + 3% Glycerin

    Diese Variante ist teurer (ca. 8 € / Liter). Vorteile liegen deutlich bei Leuten die später die Tiere noch präparieren müssen da die Tiere durch den "weicheren" Alkohol nicht so schnell brüchig werden und auch nicht so stark entfärben.


    - Beachten sollte man trotzdem, dass beim ersten Einlegen der Tiere oftmals eine mehr oder weniger starke Verfärbung des Alkohols eintritt.

    - Lagerung der Tiere: am besten dunkel und nicht zu warm
    Danke Robert, genau sowas brauch ich;)
    Bei mir hat ja leider gestern Einer das Zeitliche gesegnet.
    Füllen die das in der Apotheke eigendich direkt in Flaschen ab oder muss man da eine mitbringen?

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „~jens~“ ()

    Hi,

    für die Sammlung mache ich es so, dass ich eine kleine Menge Alkohol habe der schon richtig braun ist in dem ich die Tiere abtöte und ein paar Tage liegen lassen. Erst dann wandern sie in frischen Alkohol, werden ettiketiert und in die Sammlung überführt.

    Ich bilde mir ein, dass dadurch die Verfärbung der Tiere in der späteren Lagerung schwächer ist und die Farben ein wenig besser erhalten werden.
    So ich bin gerade in der Apotheke gewesen, die meinten sie könnten mir das mischen und in eine Flasche füllen. Da hab ich gefragt ob die wa kostet und mir wurd gesagt nein. Ich hab für 300 ml Propanol+Glyzerin 8,13€ bezahlt hehe naja muss ich sparsam mit sein.
    Hiho,

    doch, kannst Du - bist ja nicht gezwungen irgendwas zu nehmen. Ich kenne auch teurere Apotheken bei denen ich halt kurz gefragt habe was es kostet und mich bedankt und durch die Tür wieder raus! ;)

    Das mit dem Wechseln kommt darauf an - wenn Du Deinen Tausendfüßer im Glas betrachten möchtest kann es gut sein, dass der Alkohol nachtrübt. Gerade bei T. aoutii kann es sehr schnell passieren, dass das Wehrsekret etc. sehr schnell aus dem Tier entweicht (muss aber nicht, hatte auch schon Exemplare bei denen fast gar nichts passiert ist).

    Ich würde das einfach beobachten wie es nach ein paar Wochen aussieht und noch etwas stehen lassen und dann nach ca. 1-2 Monaten wechseln.
    Boah sorry, ich bin gerade mal so was von SAUER auf mich selbst!!! Meine Nachbarin arbeitet in einem Labor was Medikamente für Tiere herstellt, ich hab ihr gearde den Wörm gezeigt. Da hat sie gefragt wodrin der ist und a hab ich ihr das erzählt. Joa dann meinte sie das ich doch total doof wäre, weil sie mir auch was hätte mitbringen können. Für umsonst...
    Ich hab ihr jetzt gesagt das sie mir gerne noch etwas mitbringen kann, damit ich mir das an die seite stellen kann.
    Der wörm steckt jetzt in einem Reagenzglas das oben verschlossen ist, kommt morgen dann ich ein Bügeleinmachglas.
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    RE: Konservierung

    Hallo zusammen!

    Bitte, bitte - tut die Tiere nicht in Brennspiritus!!! In dem Zeugs geht die DNA kaputt und dann kann ich (grins) mit den Tieren nix mehr anfangen. Man kann die Art nämlich auch über ihre DNA bestimmen und früher oder später könnten eure Proben dann wichtig werden.

    Eigentlich ist in der Molekularbiologie Ethanol der Standard-Alkohol. Für die Tiere ist 80-90%iger Ethanol am besten. Wenn es besonders große Tiere sind, sollte man ihn nach einiger Zeit austauschen. Und - er ist sehr flüchtig, d. h. die Flasche, in der ihr die Tiere aufbewahrt sollte verschraubbar sein. Und vor allem, sollte jede Art in nem separaten Gefäß konserviert sein, damit es kein DNA-Mischmasch gibt.

    Ethanol bekommt man auch in der Apotheke, aber der ist auch nicht gerade billig. Wobei man aber ja auch nicht sehr viel braucht.

    Liebe Grüße,
    Nora
    Hallo Nora,

    es ist durchaus richtig, dass der Brennspiritus die Proben im Falle einer DNA-Sequenzierung bzw. auch Proteinanalyse unweigerlich unbrauchbar macht.

    Aber die Halter die ihre verstorbenen Tiere nur konservieren wollen um vielleicht ab und zu das schöne größe A. gigas Weibchen anzuschauen dann würde ich niemals empfehlen Ethanol in der Apotheke zu kaufen. Wer natürlich das Geld hat 50-60 € / Liter für den Ethanol aus der Apotheke auszugeben der kann das natürlich machen.

    Ich selbst benutze Isopropanol bzw. wenn ich ein wenig im Labor abzweigen kann auch Ethanol.

    Ich bin der molekularen Taxonomie durchaus positiv eingestellt - der Nutzen im Bereich Myripoda ist (zum jetzigen Zeitpunkt) natürlich fraglich. Daten liegen (soweit ich weiß z.B. in der NCBI Datenbank) nur für die bekannten Arten wie A. gigas und einige nordamerikanische Arten vor. Da finde ich es durchaus einfacher die [lexicon]Gonopoden[/lexicon] zu präparieren und mit dem Referenzmaterial zu vergleichen als die DNA per PCR zu amplifizieren und dann eine teuere Sequenzierung zu machen - länger dauern tut es dazu auch noch.
    Kladistik/Phylogenie ist natürlich wieder eine andere Sache und durchaus sicherlich einfacher über DNA Alignments etc.

    Aber darüber kann man sich streiten...über den Gebrauch von Ethanol in der Mikrobiologie natürlich nicht, ist das non plus ultra im weiteren Gebrauch der Proben.
    Hallo Robert!

    Na klar hast du recht - ich weiss, wie teuer Ethanol ist, wenn man ihn in der Apotheke kaufen muss. Aber wenn man seine wertvollen Tiere schon konservieren möchte, dann doch vielleicht gleich richtig... ;)

    Da gibts zum Beispiel das Projekt "Barcoding of Life" und das ist angewiesen auf DNA-Proben. Früher oder später wird BoL auch die Tausendfüsser behandeln - das Projekt will "alle" Arten erfassen und die Arten mit Hilfe eines DNA-Stranges identifizieren.

    Und ihr habt bestimmt ein paar suuuper tolle Tausendfüsser, die dem Projekt vielleicht mal helfen können... :) Und deswegen: streiten tu ich mich nicht - war nur ein Vorschlag, der aber natürlich von niemandem beherzigt werden muss.

    Liebe Grüße,
    Nora
    Hallo Nora,

    Original von Nora
    ...streiten tu ich mich nicht - war nur ein Vorschlag...

    Ohje sorry, da habe ich mich wohl ein wenig falsch ausgedrückt - mit dem "darüber streiten" meinte ich wie sinnvoll DNA Analysen rein zur Bestimmung sind.

    Dieses BOLD kannte ich bis jetzt noch nicht und werde ich mir auf jeden Fall mal genauer anschauen. Ist eine wirklich geniale Sache und sicherlich nicht nur für die Bestimmung interessant. Die Frage ist bloß:

    - Accounts bekommen nur wissenschaftliche Mitarbeiter von Institutionen denen man eben eher vertraut als ein paar Leuten die zu Hause die Arten bestimmt haben da ja auch Sammlungsdaten etc. eingegeben werden müssen (laut Flash-Manual von BOLD). Ist ja auch verständlich irgendwie.

    Ich weiß somit nicht ob die z.B. Daten aus Zuchtstämmen akzeptieren würden oder ob die wirklich nur Proben von Exkursionen im Ursprungsland annehmen.

    Zudem müsste ein Labor die Sequenzierung übernehmen da man die Daten im fasta-Format liefern müssen, d.h. die 582 bp Sequenz wird einfach dort im Formular eingegeben. Muss also erstmal eine Arbeitsgruppe an einem Labor gefunden werden die diese sequenziert und auch finanziell hält.

    Arbeitest Du in einem Labor im Bereich DNA-Sequenzierung o.ä. und weißt ob es Überlegungen im Bereich Myriopoda gibt? Interessant wäre es auf jeden Fall - denn weitere Infos über die Art der Erhebung der Daten bei BOLD habe ich leider noch nicht gefunden.
    Hallo Robert!

    Aaaalso:
    Zucht ist egal, solange bekannt ist, wo die Elterntiere ursprünglich her kamen, sollte das kein Problem sein: für BoL wird erstmal Cytochrom-Oxidase I (COI) verwendet, ein Gen, das auf dem Mitochondrium liegt und nur über die Mutter weitergegeben wird.

    Die Tiere sollten [lexicon]adult[/lexicon] sein und dem Wildfänge sind natürlich das beste, weil gerade für die Referenztiere der Phänotyp stimmen sollte. Immerhin baut BoL ja auf alle der momentan praktizierten Methoden was die Artbestimmung angeht.

    Sobald ein Projekt gestartet wurde (so wie jetzt beispielsweise fishbol - die Erfassung aller Meer- und Süßwasserfische), übernimmt BoL die Sequenzierung. Beteiligte Wissenschaftler schicken nur noch die Proben ein, den Rest machen die Kollegen dort.

    Es gibt zu dem Thema einen sehr interessanten Artikel in "Biologie in unserer Zeit" (Vol. 36, Ausgabe 1) ;) - da steht viel drin, schön bunt und in deutsch.

    LG,
    Nora

    PS: Ich bin nicht sehr empfindlich - keine Sorge. War garnicht böse gemeint, ich hab Dein "streiten" nur als Aufhänger benutzt. Ich bin da nicht so und wenn, hätte ich eher garnicht mehr geschrieben. Bin völlig gegen Streitigkeiten in Foren. Keine Sorge ;)