Beiträge von Millipeter

    Andere gute Beispiele aus der Tierhaltung sind wohl die Phasmiden oder die "L-Welse".


    Tausendfüßer in der Terraristik:


    Hauptproblem Nr. 1 für den Mangel an "richtigen" wissenschaftlichen Namen bei den Tausendfüßern in der Terraristik ist der Mangel an Totmaterial für die Bestimmung anhand der Gonopoden. Fotos sind, außer bei genauer Herkunft für bereits bekannte Arten, meist nicht möglich. Eine richtige Bestimmung der importierten oder in Haltung befindlichen Arten erfolgt in fast allen Fällen, sei es bei Fischen, Garnelen, Vogelspinnen, Reptilien etc., durch die genaue Untersuchung (Mikroskop etc.) und dem Abgleich von wissenschaftlicher Literatur. Erst durch die Etablierung im Handel und durch laienfreundliche Bücher haben sich diese Namen gefestigt und sind dadurch vermeintlich einfacher zu bestimmen.


    Wie schon so oft gesagt übernehme ich gerne die Bestimmung bei Zusendung. Früher habe ich halt auch von einigen Händlern und Importeuren (die es heute teilweise nicht mehr gibt) kostenlos Tiere für die Bestimmung erhalten. Momentan bin ich hauptsächlich auf euch angewiesen.


    Wenn andere Leute bzw. Händler "falsche" wissenschaftliche Namen benutzen, meist aus Unwissenheit oder um den Verkauf zu fördern ist das nicht gut. Zumindest in Deutschland ist das wohl nicht mehr so schlimm.


    Meine bisherige Erfahrung ist, dass der Großteil der im importierten Arten bereits schon beschrieben sind. Liegt daran, dass in den Handel meist nur die großen, bunten, auf der Oberfläche aktiven und weitverbreitenden Arten aus gut zugänglichen Regionen (z.B. nahe einer großen Stadt) bereits beschreiben sind. Also die auch historsich bei den alten großen europäischen Expeditionen besammelten Gebiete. Meist sind also eher die kleineren (z.B. kleiner <1 cm), versteckt lebenden und/oder nur in einem eng begrenzten oder abgelegenen (nicht terraristisch erschlossenen) Gebieten vorkommenden Arten noch nicht beschrieben.


    Tausendfüßer in der Wissenschaft:


    Etwa 13.000 Arten an Tausendfßern sind bisher weltweit bekannt und mit min. 25.000 Arten wird gerechnet, vielleicht auch 40.000. Es gibt weltweit ca. 50-100 Taxonomen für Tausendfüßer, viele von denen beschreiben nicht neue Arten "wie am Fließband", sondern beschäftigen sich auch oder großteils mit anderen (ökologischen/faunistischen) Fragestellungen oder Tiergruppen. Die Sammlungen der Museen weltweit beherbergen allein schon genug Material von 1800 bis heute für die Beschreibung von tausenden Arten. Im Idealfall sind natürlich Exkursionen und Expeditionen eine sehr schöne Sache, da sie mehr Daten liefern, da mehr Individuen, genauer Fundort, man weiß wie das Tier lebend aussieht, man erfährt etwas zur Ökologie, frische DNA Proben für genetische Untersuchungen hat, Beschreibung der Variabilität (Färbung, Körper etc.) und vieles mehr. Dafür sind oft nicht so viele Gelder vorhanden. Material beschreiben aus Sammlungsmaterial (kann man sich meist kostenlos zuschicken lassen) ist günstiger und spottbillig im Vergleich zu z.B. den Kosten, allein nur für Substanzen und Verbrauchsmaterial, für medizinische Laborforschungsarbeiten (bei meiner Diplomarbeit in der Immunologie waren das allein ca. 500-700 Euro pro Woche!!!).


    Aber auf dem Feld der Taxonomie wird auch nach Lösungen gesucht, wie man schneller und besser Arten beschreiben kann.


    Beste Grüße,
    Peter

    Hallo,
    nur kurz meine Anmerkungen dazu. Mit der Gattung Sechelleptus sollte man hier richtig liegen und zur Variabilität und dass wissenschaftlche Namen klarer sind als Weißfuß hat Philipp ja schon was gesagt. Ohne Gonopoden ist halt oft nichts los.


    War mal kurz auf bugsuk.com und dort steht mächtig viel Müll was "wiss. Namen" oder der Herkunft von lange etablierten Art wie T. aouti (Asien!!!).
    Schade, da sich solche unnötigen Fehler schnell weiter verbreiten und hängen bleiben...


    Ciao,
    Peter

    Lieber Approny,


    deine Frage ist etwas diffus, aber die größten Saftkugler (Ordnung Glomerida) kommen aus Südost-Asien, Rhopalomeris, mit bis zu 25 mm Länge. Übrigens, viele Saftkugler weltweit werden nicht mal 5 mm lang. Die Angehörigen der Gattung Glomeris, fast alle unseren heimischen Saftkugler-Arten also, werden bis zu 20 mm lang. Unter G. marginata, conspersa/klugii und auch hexasticha findet man meist die größten Weibchen. Die max. bzw. durchschnittliche Größe Ist allerdings abhängig vom Standort, Klima der letzten Jahre, Räubern, Nahrung etc..


    Gruß,
    Peter

    Hallo Katsascha,
    in Edapaobase sind nur relativ wenige Daten für die Schweiz drin (250 Fundorte) aus ein paar wenigen deutschen Sammlungen und Publikationen. Da gibt also noch viel mehr Daten zu der Myrifauna in der Schweiz. Für Edaphobase haben wir mit Schwerpunkt Deutschland fast alle Sammlungs- und Literaturdaten generiert bzw. importiert und ist daher relativ vollständig.


    Gruß,
    Peter

    Hallo Henning,
    anbei mal eine Karte (Quelle: Edaphobase) von Deutschland mit (fast) allen Fundorten von Diplopoden & Chilopoden in Deutschland. Wie man schön sehen kann ist Niedersachsen noch recht wenig besammelt.


    Hier mal das allgemeine Vorgehen beim Daten & Beobachtungen sammeln, wie es auch bei anderen nicht im Gelände sofort bestimmbaren Tieren (viele Insekten, Spinnentiere, Springschwänze Würmer etc.) gehandhabt wird. ich sehe dass du Geologe bist, aber ich erkläre es hier mal alles etwas genauer für die anderen.


    Da Freilandbestimmungen immer heikel sind und es überprüfbar sein sollte, vor allem bei nicht so häufigen oder (für den Laien) schwerer bestimmbaren Arten, konservieren wir die Tiere immer in 70(-95)%igen Alkohol (z.B. Ethanol) in kleinen Glas- oder Plastikröhrchen. Man kann dieTiere dann auch anschließend anderen Leuten zur (Nach)Bestimmung schicken.


    Ich weiß, dass vielen der Aspekt des Tötens nicht so behagt. Hier kann ich nur folgendes sagen: Wenn die Tiere nicht sinnlos sterben, also neue oder interessante Daten hierdurch entstehen (z.B. Verbreitung) und man "minimalistisch" sammelt, was ich selbst in Gebieten mache, deren potentielles Arteninventar ich gut kenne. Allerdings setzt das etwas Erfahrung vorraus, da nur je 1-2 bestimmbare Exemplare (adulte Männchen, große Glomeriden) pro Art mitgenommen/abgetötet werden und die ganzen Jungtiere, Weibchen und das unnötige x-te Männchen am Leben gelassen werden. Bei den Chilopoden muss man leider immer fast alles mitnehmen, da nicht im Gelände bestimmbar oder als Jungtier zu erkennen.


    Das Wichtigste ist das Etikett bzw. die Informationen zum Fund, damit man den Inhalt eines Röhrchens immer einer ganz bestimmten Lokalität zuordnen kann und auch für die Dokumentation (z.B. welches Biotop besiedelt Art X bevorzugt...). Für das Etikett braucht man ganz normales Papier und die Angaben werden klein mit Bleistift oder alkoholfestem Stift darauf geschrieben oder mit einem Laserdrucker gedruckt. das Etikett kommt dann mit den Tieren zusammen in das Röhrchen:
    - Wo gefunden: So, dass auch ein Fremder das gebiet grob lokalisieren kann: Land, Bundesland, Landkreis, nächstgelegene Stadt, Fluß, Berg etc., x km SW von X, Koordinaten sind sehr sehr hilfreich
    - Biotop: so genau, wie man es kann: Wald, Laubwald, Waldrand, Feldgehölz,Wiese, Ahorn-Schluchtwald, Mesobrometum, Hochheide mit Vaccinium etc.
    - Sammler: Name
    - Datum
    - Methode: Handfang (=HF), Bodenfalle


    Die einzelnen "professionellen" Bearbeiter haben dann noch ihre Datenbanken, wo sie die Daten sofort eingeben. Der Großteil der deutschen Myriapodendaten stehen im Portal von www.Edaphobase.org online.


    Wer wirklich Interesse hat zu wissen, was bei ihm in der Nähe vorkommt kann mir gerne die Tiere zur (Nach-)Bestimmung schicken. Ich kann euch auch gerne kostenlos mit dem nötigen Material (Röhrchen, Alkohol) versorgen. Mit Bestimmungsliteratur kann ich euch auch versorgen. Bei schönen kleinen Projekten (viele Aufsammlungen aus einer bestimmten Region) kann man auch über eine kleine gemeinsame Veröffentlichung nachdenken.


    Da es in Deutschland nur eine handvoll aktiver Myriapodologen gibt, sind wir sowohl an "Tausendfüßer-Nachwuchs" als auch Aufsammlungen aus wenig besammelten Gebieten interessiert.


    Beste Grüße,
    Peter

    Sehr schöne und scharfe Aufnahmen 8o


    Meine Vermutung kommt ganz gut hin. Werde mal demnächst die Erstbeschreibungen raussuchen wegen der Form der Furchen/Kiele (Bitte erinnern, falls innerhalb von 14 Tagen nix von mir kommt!).


    Ciao,
    Peter

    Hallo Henning,


    der G. pustulata Fund ist sehr interessant, da es um den derzeit nördlichsten Fund in Deutschland handelt. Bisher war Siegen 50°28' der nörlichste publizierte, Heersum liegt schon bei 52°6'.
    Auch der Fund von S. stigmatosum ist der westlichste, außer ein verschleppter historischer Fund bei Wiesbaden.
    Leider ist die nördliche Hälfte Deutschlands, besonders der NW, sehr schlecht bearbeitet und myriapodologs großteils noch ein weiße Karte.
    An den besagten Arten hätte würde ich hier mal Interesse bekunden an ein paar Belegexemplaren.


    Gruß,
    Peter

    Hi,
    ich würde es bei Polydesmus belassen, da in der Gegend mehrere Polydesmus-Arten vorkommen, die als Jungtiere nicht oder nur schwer unterscheidbar sind.


    Gruß,
    Peter

    Hallo Henning,
    naja, ein bißchen was ist aus Gabun bekannt, aber höchstwahrscheinlich ist die Art tataschlich unbeschrieben. Ein kleiner Dorn ist am oberen Rand der Analklappen nicht vorhanden?


    Gruß,
    Peter

    Hallo Henning,
    ich glaube hier kommt man nicht weiter, vor allem wenn die Tiere wirklich aus Mosambik stammen sollten, wo es mehrere artenreiche Gattungen gibt. Die Färbung ist jetzt auch nicht so unverkennbar einmalig...


    Ich weise aber mal wieder darauf hin, dass man mir gerne tote männliche Tiere (in Alkohol, Salzwasser konserviert) für eine sichere und genaue Bestimmung schicken könnt ;)


    Gruß,
    Peter

    Hallo Henning,
    schöne Tiere. Es handelt sich wirklich nicht um Anastreptus. Bei der Gattung ist das Kopfschild (Collum) über fast die komplette Länge deutlich gefurcht bzw. gekielt.
    Aufgrund der unterschiedlichen Furchung der Segmente sieht es nach zwei Arten aus. Die hellere mit größeren Kielen die nach hinten hin höher/dicker werden und der dunkleren Art mit feinerer Furchung mit rel. gleichmäßiger Höhe.


    In Tansania bleiben nur noch zwei Gattungen übrig:
    Calostreptus: Collum nur am Hinterrand gekielt. Eine Art aus Tansania + Kongo, C. chelys.
    Könnte die hellerer Art sein.


    Attemsostreptus: Collum nicht gekielt. Zwei Arten aus Tansania aus den Uluguru Mts., A. costatus und A. orobius, letztere wahrscheinlich synonym mit A. costata.
    Könnte die dunklere Art sein.


    Schau nochmal nach, bzw. mache noch ein paar Aufnahmen vom Kopf und vergrößere sie. Dann werde ich mir mal den Rest der Beschreibungen durchlesen, ob die Skulpturierung auch hinhaut.


    Beste Grüße,
    Peter

    Hallo,
    anhand der Bilder ist hier nichts zu machen. Die Aussage in dem letzten Link von Pavel Stoev, dem weltweiten Experten für Callipodida, bezog sich auf ein anderes Foto einer offensichtlich anderen Art.


    Daher würde ich es an der Stelle bei Callipodida belassen.


    Callipodiden ernähren sich nicht ausschließlich von anderen Tieren. Eine feuchtere Ecke mit Laub/Holzstücken sollte in einem Becken vorhanden sein, dass gut durchlüftet ist und ansonsten nur leicht feucht ist. Heimchen/Grillen könnten sich häutende Tiere anfressen. Daher wieder nach 1-2 Tagen wieder rausfangen oder am besten schon tod anbieten. Asseln gehören übrigens nicht zu den beliebtesten Tieren auf dem Speisezettel von Räubern.


    Beste Grüße,
    Peter