Sinnesphysiologie (frei nach Shura) und Pheromone

    1. Der optische Sinn: Diplopoden besitzen ein Augenfeld, das aus mehreren Ocellen besteht, womit die Tiere nur hell-dunkel und Bewegungen sehen können. Sie können damit keine Tiere der eigenen Art von Diplopoden einer anderen Art unterscheiden, egal wie unterschiedlich sie gefärbt sind!

    2. Der taktile Sinn: Mit den meist haarförmig ausgebildeten Mechanorezeptoren, die über den ganzen Körper verteilt sind, sich aber gehäuft an den Antennen befinden, können die Tiere ihre Umwelt ertasten, sowie auf Berühren reagieren und Luftbewegungen (z.B. Schallwellen) empfangen.

    3. Der Geschmackssinn: Die Rezeptoren für den Geschmack (Chemorezeptoren) befinden sich am Kopf im Bereich der Nahrungsaufnahme (Gnathochilarium, Labrum) und an den Antennen.

    4. Der Geruchssinn ist sicher der wichtigste Sinn für den Diplopoden. Er dient der Orientierung innerhalb seines Lebensraumes und das Tier findet mit dem Geruchssinn Nahrung und kann auch differenzieren, welche Nahrung das ist.
      Es kann z.B. außerdem feststellen, ob es sich zusammen mit Artgenossen in einem Artterrarium befindet, oder noch mit anderen Arten gemischt in einem Gemeinschaftsbecken. Da alle Diplopoden sich in einer Umhüllung aus Wehrsekret, das sich von Art zu Art unterscheidet, befinden, unterscheidet sich der Geruch der einzelnen Tiere eben auch von Art zu Art.

      Das Männchen empfängt auch mit seinen Antennen auf olfaktorischem Weg die Pheromone der Weibchen und findet letztere auch über größere Entfernungen.

    5. Im eingerollten Ruhezustand dürfte vor allem das „Tömösvárysche Organ“ aktiv sein mit einer Kombination aus Mechanorezeptoren für Druck- und Schallwellen und Feuchterezeptoren, so dass das Tier im Ruhezustand immer die notwendigen, lebenswichtigen Umgebungsinformationen erhält.

  • Pheromone


    Wie funktioniert die Partnersuche mit Hilfe der Pheromone bei Diplopoden?


    Schaut man sich die Vorgänge bei den Insekten an, z.B. (Atlasseiden-) Spinner, da gibt das Weibchen die Pheromone mit Hilfe eines „Pheromonpinsels“ in die Luft. Dort verteilen sich diese Stoffe in der Umgebung, und zwar in alle Richtungen bei Windstille. Dabei nimmt ihre Dichte (Teilchen pro Liter Luft) mit der Entfernung d ab und zwar proportional 1/d2, bedingt durch den Raumwinkel Omega.

    Das Männchen findet das Weibchen indem es immer in Richtung der größten Zunahme der Pheromondichte fliegt. Diese Richtung heißt in der Feldtheorie der Gradient der Pheromondichte. So lange, bis es unmittelbar in der Nähe der Partnerin ist, da orientiert sich der Falter dann optisch und taktil und es erfolgt eine Paarung.


    Bei den Diplopoden sieht es so ähnlich aus nur verteilen sich hier die Pheromone proportional nach einem Wert, der zwischen 1/d2 und 1/d liegt, da sich das Weibchen ja auf der Erde befindet und von hier verteilen sich die Lockstoffe ja hauptsächlich nur in der Luft oberhalb des Substrates.

    Das Männchen sucht das Weibchen, genau wie der Falter, in Richtung der größten Zunahme der Pheromondichte. Hierzu benützt es seine beweglichen Antennen um die Richtung zu ermitteln, genau wie der Falter. Da das Männchen ja nicht fliegen kann, ist die Suche auf die nähere Umgebung beschränkt. Wenn die Pheromondichte einen entsprechenden Wert hat, beginnt das Männchen auf taktilem und olfaktorischem Weg das Weibchen zu suchen, bei Erfolg findet dann die Paarung statt.

    So läuft das etwa in der freien Natur ab.


    Wie sieht das nun im Terrarium, einem relativ abgeschlossenen Raum, aus?

    Hier befinden sich meistens mehrere Weibchen, von denen eines oder mehrere paarungsbereit sind, so dass die Pheromone schnell gleichmäßig in der Terrarienluft verteilt sind und die Pheromondichte überall sehr hoch ist.

    Das Männchen hat nun das Problem, die richtige Partnerin zu finden, da seine Suche entlang dem Gradienten wegen der gleichmäßigen Verteilung nicht funktioniert. Es probiert also sein Glück auf taktile Weise bei dem nächsten Artgenossen durch Annäherung und Abtasten und schließlich versuchter Paarung.

    Hält man nun mehrere Arten in dem Becken, so versucht zwangsläufig das Männchen sein Glück bei dem nächst besten Diplopoden, was dann häufig zu Fehlversuchen und Fehlpaarungen führt.

    Da die Paarungsaktivität von Art zu Art recht unterschiedlich aggressiv verlaufen kann, ergeben sich oft recht aggressive Versuche.

    Meistens werden diese Fehlversuche vom Halter völlig falsch interpretiert, da er ja nicht sieht, warum das Männchen das macht.


    Was kann man dagegen unternehmen?


    Man muss das Becken kräftig belüften, also Luftaustausch, so dass die Verteilung der Pheromone wieder verdünnt ist, dann findet das Männchen die Partnerin auch wieder.

    Luftaustausch erreicht man auch mit einer Sprühflasche, durch intensives Besprühen.


    Empfehlenswert ist also bei adulten Diplopoden die Haltung der Tiere in einem Becken mit Tieren der gleichen Art.