Denke ans Aufhören

  • Diplofreunde,


    gestern abend hatte ich in meinem großen Terrarium einen kompletten Substratwechsel vorgenommen. Das wollte ich endlich mal machen und habe es auch deswegen rausgezögert, weil ich nach den vielen fleißigen Paarungen meiner Spirostreptus spec 1 mit Nachwuchs gerechnet hatte.


    Stattdessen ein Ergebnis, das mich unter Schockwellen und in tiefster Trauer hält.


    Zwar leben alle meine im Sommer neu eingesetzten juvenilen Sp. fischeri noch, auch das große adulte Tier. Das andere ist wohl vor längerer Zeit an Altersschwäche eingegangen, ich habe die Kadaverreste mit ausgebuddelt. Aber von acht jung erhaltenen Spirostreptus spec 1 - die hatte ich im Sommer von Marigold :) - waren nur noch zwei da. Und von Nachwuchs nicht die leiseste Spur.


    Angesichts dieses Misserfolges kommt es mir fast wie eine Verhöhnung vor, immer lesen zu müssen, dass spec 1 ja so vermehrungsfreudig ist. Bei mir offensichtlich nicht. Das versetzt mich zugegeben in eine richtig tiefe Fähigkeiten-Krise. Was mache ich falsch? Was kann ich anderes tun als hier die Leute zu löchern, mich zu beraten, auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu achten, die richtige Substratzusammensetzung zu wählen und über das Jahr zwischen den Vollwechseln auch mal ein paar Handvoll frisches Substrat einzusetzen und und und?! Manchmal sehe ich ein paar verschleppte Ameisen rumlaufen und fische sie raus, sobald ich sie bekomme, aber sonst sehe ich keine Räuber, die den Kleinen gefährlich werden könnten. Oder sind es die orangeroten Asseln? Die könnten auch einen sich häutenden Spiro doch ohne weiteres auffressen, während er wehrlos ist, oder?


    Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich glaube, ich habe einfach kein gutes Händchen für diese Tiere oder für Tiere überhaupt. Kann jemand nachvollziehen, wie bitter es ist, wenn man seine Gefühle und seine Liebe nicht ausleben kann und erfährt, dass das, wofür man sich immer berufen gefühlt hat, in Wirklichkeit nicht für einen gemacht ist? Ich denke daran, die Terrarienhaltung zu beenden. Wer Interesse hat, dem schicke ich im Frühjahr gern meine noch lebenden Tiere. Spiropoeus fischeri, Spirostreptus spec 1, Centrobolus splendidus und zwei junge gigas, Rettungskämpfe von Heiligabend (wenn die dann noch leben). Auch zwei große Terrarien hätte ich zu vergeben.


    Oder warum nicht nochmal alles ausräumen, samt den Tieren in Eimer packen und in den Schnee rauswerfen. Dann hätte ich wenigstens einmal die Gewissheit, dass es definitiv an mir lag :evil:.



    Verzweifelte Grüße


    Anton

  • Hi Anton,


    Hmmm...das is traurig zu hören...

    Allerdings gehört es halt auch dazu dass Tiere (auch Jungtiere) versterben.

    Natürlich ist das bitter -keine Frage,aber deinen anderen Arten geht es doch so wie's aussieht gut..und wer weiß, vielleicht brauchen die sp.1 einfach bissl länger und bescheren dir bald ja doch noch Nachwuchs... Ich denke du wirst schon dein bestes geben,mehr geht halt dann auch nicht. Einfach abwarten und Geduld haben würd ich sagen...

    Ich würde die Entscheidung ob ich die Tiere weiter halten will oder nicht auf jeden Fall nicht davon abhängig machen ob ich von ihnen Nachwuchs bekomme...


    LG,

    Basti

  • Hi Basti,


    die Vermehrung ist für mich ja nur ein Gradmesser, ob die Bedingungen rundum stimmen. Und acht andere Spiros, die jetzt adult sind und sich in vergeblichem Kinderwunsch bemüht haben, sind ja in dem Substrat letztes Jahr auch alle schön herangewachsen. Ich vermute, es liegt an diesen Monsterasseln. Auch die weißen Asseln sind äußerst reduziert, sicher weil die ihnen die Nahrung wegfressen. Aber ich habe auf den Bildern von Deiner eierlegenden Sp. spec 6 - Dame auch solche Asseln zuhauf gesehen? Zwar noch als Jungtiere... Hast Du denn auch diese orangeroten Porcellio laevis im Terra? Bei Dir wimmelt es ja eh ständig von Nachwuchs.

    Wahrscheinlich besser, demnächst das Substrat nochmal rauszunehmen und auch die restlichen Asseln zu entfernen. Die bringe ich in einem kleinere Terrarium unter und kann sie bei besseren Temperaturen sicherlich auch versenden.


    LG,

    Toni

  • Hi Toni,


    Also ich hab in jedem Terra sehr viele weiße Asseln und auch immer verschiedene Rollassel-Arten,die hab ich mir mit dem Substrate mit reingeholt.

    Die futtern natürlich das Substrat und Zusatzfutter mit weg aber das war's auch schon - könnte da noch nie Probleme feststellen.

    Die Porcellio hab ich nicht,wie gesagt - hab nur einheimische Asseln aus'm Wald.

    Du hast dein altes Substrat doch sicherlich aufgehoben oder? Evtl sind da ja schon Eier der Sp.1 drinnen... einfach Mal ein paar Monate aufheben...


    LG,

    Basti

  • Hallo Anton,

    ich würde an deiner Stelle nicht ans Aufhören denken, nur weil sich keine Nachzucht bei Sp.1 einstellt. Diese Berichte über die leichte Zucht dieser Art täuschen darüber hinweg, dass der größte Prozentsatz der Halter dieser Art eben auch keinen Nachwuchs haben.

    Dann stimme ich deiner Einschätzung im anderen Thread durchaus zu:

    Quote

    Die P. laevis sind ja wirklich extrem vermehrungsfreudig. Verdrängen sie allmählich die weißen tropischen Asseln, wie ich leider das Gefühl habe (die frisch geschlüpften laevis sind ja auch weißlich)? Fressen die die Eier meiner Füßler weg, sodass ich trotz eifriger Paarungen seit August noch kein Anzeichen auf Nachwuchs habe? Am besten ist es wohl, die orangeroten Asseln bei einem baldigen kompletten Substratwechsel zu entfernen und abzugeben und neue Trichorhinas einzusetzen.

    Denke, da hast du richtig beobachtet.

    Ich habe in einem Becken auch Sp.1 und "kubanische Asseln" (Porcellionides pruinosus), eine sehr schnelle Asselart. Sie haben ebenfalls alle anderen "weißen Asseln" und Rollasseln verdrängt und ich habe in diesem Becken auch keine Nachwuchstiere der Sp.1.

    Da ich ohnehin nur Artenbecken habe, also gar keine Jungtiere.


    In allen anderen Becken habe ich "weiße Asseln", alle Arten von Rollasseln und Springschwänze. Diese Besatzung gebe ich stets auch in die "Kindergärten" und bin sicher, dass da kein "Schädling" für den Nachwuchs dabei ist.


    Ich weiß auch, dass die Entfernung der schnellen Asseln relativ schwierig ist. Man muss die noch lebenden Diplopoden raussammeln und das komplette Restsubstrat kompostieren.

  • Hallo Anton


    Mach Dir nicht so viele Gedanken, weil von den sechs Spec. 1 nur noch zwei verblieben sind.

    Bis die Tiere groß sind, machen sie einige Häutungen durch und jede Häutung an sich ist doch eine recht anspruchsvolle Sache, die eben oft auch schief gehen kann.

    Nicht, weil wir als Halter Fehler machen, sondern weil eine Häutung einfach schwierig sein kann.

    Wenn Du dann auch nur wenige Tiere hast, fallen die Verluste viel mehr ins Gewicht.


    Wichtig sind die beiden, denen es gut geht und die sich gepaart haben und die anderen Arten, denen es auch gut geht.


    Dein Problem scheinen wirklich diese Asseln zu sein.

    Auch Thomas W hat schon mehrfach über schlechte Erfahrungen mit Asseln geschrieben.


    Also gib Deinen Herzenswunsch bitte nicht auf.

    Solaris hat Dir ja schon geschrieben, was Du tun kannst und wenn Du die Asseln los bist und in ein paar Monaten wieder S. spec. 1 Jungtieren ein schönes Zuhause geben möchtest, könnte ich Dir ganz viele geben.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Lieber Sol, liebe Sabine,


    danke für Eure Tipps und guten Wünsche. Nun muss ich versuchen, die orangeroten Asseln loszuwerden. Das erscheint mir nur als ein Ding der Unmöglichkeit, weil ich Korkrückwände habe, die bei den Diplos als Kletterwand immer sehr beliebt waren, nun aber auch den jungen Asseln als Unterschlupf dienen. Die einzige Möglichkeit wird wohl sein, ein neues Terrarium anzuschaffen.


    Gerne komme ich im Sommer wegen S. spec 1. Jungtieren auf Dich zu, Sabine, aber erst einmal muss ich das andere Projekt erfolgreich durchziehen und überlege mir auch, ob ich es evtl. bei zwei Arten belasse. Stellt sich doch einmal Nachwuchs ein, müssen die vielen Jungtiere ja untergebracht werden.


    Die weißen Asseln sind sehr gute Bodenpolizisten und die reichen.


    Viele Grüße und vielen Dank Euch


    Anton

  • Hi Anton


    Kannst Du die Korkwände nicht einfach raus machen oder sind die so fest verklebt?

    Ich habe Kork nur als Höhlen, die werden allerdings auch manchmal angefressen.

    Als Rückwand habe ich viele verschiedene Äste senkrecht zwischen Boden und Deckel geklemmt. Die werden viel genutzt und fliegen beim Substratwechsel einfach raus bzw. in die Box mit altem Substrat.


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Hallo Sabine,


    so will ich es in Zukunft machen. Vielleicht auch eine nur reingeklemmte Korkplatte, die mit den festgesteckten Ästen dann gehalten wird. Die jetzigen sind leider zu fest verklebt, ja.


    Ich gebe Sol Recht, was er in einem anderen Thread geschrieben hat: Manche Leute legen lieber schöne Schauterrarien an und wundern sich dann, wenn es zu keinen Nachzuchten kommt. Ich versuche bislang eben, einen Kompromiss aus beidem zu machen, etwas, das auch fürs Wohnzimmer schön ist, kann trotzdem den Tieren voll und ganz zugute kommen.


    Züchten will ich ja auch nicht für mich, sondern den Tieren nur die Möglichkeit geben, aber ein paar eigene Generationen wäre schon schön:).


    Interessant und relativierend ist die Feststellung, dass es nur bei einem Teil der Spec1-Halter auch zu Nachzuchten kommt - trotz der viel gepriesenen Vermehrungsfreudigkeit. Auch habe ich gelesen, dass die Füßlerweibchen das Sperma mehrere Monate lang aufbewahren und nicht jede Paarung automatisch zu einer Eiablage führt. Das kann sicherlich ganz unterschiedliche Gründe haben. Bestimmt hat nicht jeder Spiro-Halter ohne Nachwuchs auch diese orangeroten Asseln im Becken.


    Weiß jemand, wie Spirostreptus spec 1 seine Eier ablegt? Einzeln ins Substrat (Oberfläche/ca. 1 cm tief)? In großen Gelegen? In Kokons? Machen letzteres nicht auch die Centrobolus splendidus?


    Danke und viele Grüße

    Anton