Braunroter Glomeris marginata

  • Guten Tag zusammen,
    habe gestern das warme feuchte Wetter genutzt, einen Abstecher in den nahegelegenen Wald gemacht und u.a. einen ungewöhnlich rotbraun gefärbten Saftkugler, vermutlich Glomeris marginata gefunden. Es gab auch zwei vollkommen weiße Tiere (ebenfalls ausgewachsen bzw. fast ausgewachsen).
    Fundort: Alter Gemeinde-Kalksteinbruch zwischen Heersum und Wendhausen, SE' Hildesheim, SE-Niedersachsen.
    Ist leider nur ein Handy-Foto, kann bei Interesse auch bessere Fotos nachliefern.
    Habe neben überwiegend G. marginata (> 90%) und G. conspersa überraschender weise auch 5 G. pustulata gefunden. Ist das nicht viel zu weit nördlich??
    Viele Grüße
    Henning

  • Hallo Henning,


    vielen Dank für die schönen Bilder und Glückwunsch zu deinen tollen Funden. Da hast du ja in der Tat ziemlich spektakuläre G. marginata gefunden. Und was deinen pustulata Fund angeht, so ist das tatsächlich der nördlichste mir bekannte Nachweis. In der Verbreitungskarte von HOESS verläuft die nördl. Arealgrenze viel weiter südlich.


    Gruß
    Pit

  • Sehr schöne Ausbeute. Aus dem Thüringer Wald hatte ich auch schon mal einen völlig pigmentlosen G. marginata (denke, dass es ein solcher war). Eine zweite ausgiebigere Suche am selben Ort hat nur G.m. in Schwarz befördert.


    Grüße, Hans

  • Hallo Henning,


    der G. pustulata Fund ist sehr interessant, da es um den derzeit nördlichsten Fund in Deutschland handelt. Bisher war Siegen 50°28' der nörlichste publizierte, Heersum liegt schon bei 52°6'.
    Auch der Fund von S. stigmatosum ist der westlichste, außer ein verschleppter historischer Fund bei Wiesbaden.
    Leider ist die nördliche Hälfte Deutschlands, besonders der NW, sehr schlecht bearbeitet und myriapodologs großteils noch ein weiße Karte.
    An den besagten Arten hätte würde ich hier mal Interesse bekunden an ein paar Belegexemplaren.


    Gruß,
    Peter

  • Hallo Peter,
    gut zu wissen. Den S. stigmatosum habe ich leider im zeitigen Frühjahr wieder ausgewildert. :/
    Die pustulata haben sich inzwischen sogar schon vermehrt. Ich werde demnächst mal wieder sammeln gehen und die Augen offen halten! Dann werde ich Dir auf jeden Fall einige pustulata schicken können.
    Ich bin ja auch sonst viel im Gebiet Hildesheimer Wald, Salzgitter-Höhenzug, Braunschweiger Land unterwegs. Gibt es denn ein System, nach dem man Funde dokumentiert und meldet?
    Viele Grüße
    Henning

  • Hallo Henning,
    anbei mal eine Karte (Quelle: Edaphobase) von Deutschland mit (fast) allen Fundorten von Diplopoden & Chilopoden in Deutschland. Wie man schön sehen kann ist Niedersachsen noch recht wenig besammelt.


    Hier mal das allgemeine Vorgehen beim Daten & Beobachtungen sammeln, wie es auch bei anderen nicht im Gelände sofort bestimmbaren Tieren (viele Insekten, Spinnentiere, Springschwänze Würmer etc.) gehandhabt wird. ich sehe dass du Geologe bist, aber ich erkläre es hier mal alles etwas genauer für die anderen.


    Da Freilandbestimmungen immer heikel sind und es überprüfbar sein sollte, vor allem bei nicht so häufigen oder (für den Laien) schwerer bestimmbaren Arten, konservieren wir die Tiere immer in 70(-95)%igen Alkohol (z.B. Ethanol) in kleinen Glas- oder Plastikröhrchen. Man kann dieTiere dann auch anschließend anderen Leuten zur (Nach)Bestimmung schicken.


    Ich weiß, dass vielen der Aspekt des Tötens nicht so behagt. Hier kann ich nur folgendes sagen: Wenn die Tiere nicht sinnlos sterben, also neue oder interessante Daten hierdurch entstehen (z.B. Verbreitung) und man "minimalistisch" sammelt, was ich selbst in Gebieten mache, deren potentielles Arteninventar ich gut kenne. Allerdings setzt das etwas Erfahrung vorraus, da nur je 1-2 bestimmbare Exemplare (adulte Männchen, große Glomeriden) pro Art mitgenommen/abgetötet werden und die ganzen Jungtiere, Weibchen und das unnötige x-te Männchen am Leben gelassen werden. Bei den Chilopoden muss man leider immer fast alles mitnehmen, da nicht im Gelände bestimmbar oder als Jungtier zu erkennen.


    Das Wichtigste ist das Etikett bzw. die Informationen zum Fund, damit man den Inhalt eines Röhrchens immer einer ganz bestimmten Lokalität zuordnen kann und auch für die Dokumentation (z.B. welches Biotop besiedelt Art X bevorzugt...). Für das Etikett braucht man ganz normales Papier und die Angaben werden klein mit Bleistift oder alkoholfestem Stift darauf geschrieben oder mit einem Laserdrucker gedruckt. das Etikett kommt dann mit den Tieren zusammen in das Röhrchen:
    - Wo gefunden: So, dass auch ein Fremder das gebiet grob lokalisieren kann: Land, Bundesland, Landkreis, nächstgelegene Stadt, Fluß, Berg etc., x km SW von X, Koordinaten sind sehr sehr hilfreich
    - Biotop: so genau, wie man es kann: Wald, Laubwald, Waldrand, Feldgehölz,Wiese, Ahorn-Schluchtwald, Mesobrometum, Hochheide mit Vaccinium etc.
    - Sammler: Name
    - Datum
    - Methode: Handfang (=HF), Bodenfalle


    Die einzelnen "professionellen" Bearbeiter haben dann noch ihre Datenbanken, wo sie die Daten sofort eingeben. Der Großteil der deutschen Myriapodendaten stehen im Portal von www.Edaphobase.org online.


    Wer wirklich Interesse hat zu wissen, was bei ihm in der Nähe vorkommt kann mir gerne die Tiere zur (Nach-)Bestimmung schicken. Ich kann euch auch gerne kostenlos mit dem nötigen Material (Röhrchen, Alkohol) versorgen. Mit Bestimmungsliteratur kann ich euch auch versorgen. Bei schönen kleinen Projekten (viele Aufsammlungen aus einer bestimmten Region) kann man auch über eine kleine gemeinsame Veröffentlichung nachdenken.


    Da es in Deutschland nur eine handvoll aktiver Myriapodologen gibt, sind wir sowohl an "Tausendfüßer-Nachwuchs" als auch Aufsammlungen aus wenig besammelten Gebieten interessiert.


    Beste Grüße,
    Peter

  • Hallo Peter,
    vielen Dank für die ausführliche Info!
    Das größte Problem sehe ich darin, im Gelände sicher Männchen zu erkennen. Gerade bei Arten, mit denen ich noch nicht so vertraut bin.
    Ansonsten will ich das gerne tun, allerdings ohne mich festlegen zu können, wie oft und wie viel. Ist ja bei mir nur ein Hobby...
    Wo kann ich die Röhrchen (möglichst online) bestellen?
    Viele Grüße
    Henning

  • Hallo Katsascha,
    in Edapaobase sind nur relativ wenige Daten für die Schweiz drin (250 Fundorte) aus ein paar wenigen deutschen Sammlungen und Publikationen. Da gibt also noch viel mehr Daten zu der Myrifauna in der Schweiz. Für Edaphobase haben wir mit Schwerpunkt Deutschland fast alle Sammlungs- und Literaturdaten generiert bzw. importiert und ist daher relativ vollständig.


    Gruß,
    Peter

  • @ Millipeter
    1, Ich habe im vorigen Jahr einheimische Tausendfüßer aus dem Garten (in Berlin) mit in die Terras gesetzt. Die haben sich ziemlich gut vermehrt - leider zu gut.. Könnt ihr so etwas auch gebrauchen?
    2, Ich habe bei bugzuk zwei angebliche Colossobolus giganteus gekauft, die aber definitiv keine sind - da sie auf jeden Fall Spirostreptiden sind. Es sind beides Männchen. Würdest Du die auch bestimmen, wenn einer davon nicht mehr lebt?


    Lieben Gruß Karola