Arthrosphaera cf. brandtii (Humbert) Riesenkugler aus Tansania

  • Arthrosphaera [lexicon]cf.[/lexicon] brandtii (Humbert) Riesenkugler aus Tansania



    - Systematische Stellung:
    Klasse: Diplopoda (Tausendfüßler)
    Ordnung: Sphaerotheriida (Riesenkugler)
    Familie: Sphaerotheriida
    Unterfamilie:Arthrosphaerinae (bekannte Verbreitung Indien & Madagaskar)


    - Länge: relativ klein. Ausgestreckt etwa 25-30 mm. Eingekugelt deutlich kleiner als ein Tischtennisball.


    - Segmentzahl: Wie bei allen Sphaerotheriiden 12 + Analschild (1+A). Bereits sehr kleine, unreife Tiere besitzen die volle Bein- und Segmentzahl. Weitere Häutungen führen nur zu einen Größenzuwachs und weiteren Ausformung der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane.


    - Geschlecht(er): Erster Versuch 3M/2W. Jetzt 2M/1W. Noch lebend 1M/1W (seit über 18 Monaten in Kultur)


    - Terrarium: 50x30x30 Plexiglasterrarium komplett abgedeckt durch schwere Glasscheibe, wodurch die Luftfeuchtigkeit sehr hoch gehalten wird.


    - Substrat: Laubstreu aus saurem Buchenwald, angefeuchtet etwa 15 cm hoch, angereichert mit Kalk von zerriebenen Sepiaschalens. Weiterhin ein weinig feuchtes Moos und weißfaules Buchenholz.


    - Beleuchtung: direkt keine. Indirekte Raumbeleuchtung mit Leuchtstoffröhren genau 12h täglich.


    - Futter: schwierig!
    Nicht genommen werden: Katzenfutter, Hackfleisch (auch verschimmelt), alle Sorten Obst und Gemüse, grünes Pflanzenmaterial aller Art, Spirulina-Algen, Grünalgen, Fischfutter, tote Heuschrecken/Stabschrecken/andere Insekten.
    Einzig aufgenommenes Futter: massenweise zersetzte Laubstreu, manchmal Moos und Holz. Umherlaufende Tiere sind meist auf Futtersuche. Alle 4-6 Wochen mehrere liter laubstreu nachfüllen


    - Milben: Alle im Handeln angebotenen Tiere dieser Art sind stark mit Milben besetzt, welche aufgrund des Einkugelungsvermögens nicht mechanisch entfernt werden können! Juvenile und Eier sollten von den importierten Tieren rechtzeitig getrennt werden. Häufiger Substratwechsel schafft Linderung. Altes Substrat unbedingt mit kochendem Wasser desinfizieren und nicht in andere Terrarien einbringen.


    - Nachwuchs: Die Art wurde bislang offenbar noch nicht in Kultur vermehrt. Keine Sphaerotheriiden wurden in Gefangenschaft erfolgreich gezüchtet (wenn doch postet Photos, und nicht ein Bekannter vom Kollegen hat mal....). Paarungen erfolgten bei mir häufiger, aber eine Eiablage konnte noch nicht beobachtet werden.


    - Verhalten: Tiere meist auf dem Substrat. Die Art klettert nicht und ist auch nicht oft eingegraben. Tiere graben sich zur Häutung 1-2 Monate tief in das Substrat zurück. Tiere dann nicht ausgraben und berühren! Bei anderen Riesenkuglerarten die versehentlich während der Häutungsperiode ausgegraben wurden, kam es zu hohen Verlusten. Nur ein Tier überlebte, deformiert, mit einer Art Fingerabdruck auf den Tergiten.


    - Allgemeines und Informatives über diese Art: Diese Art kommt aus Sri Lanka, wurde allerdings nach Tansania verschleppt, wo ursprünglich keine Sphaerotheriiden vorkommen. Dort kommen sie in einem Bergregenwald in der Nähe der Usambara-Hills vor.


    - Geschlechtsunterschiede: Männchen besitzen am hinteren Körperende zwei Beinpaare, die sogenannten [lexicon]Telopoden[/lexicon], mehr als die Weibchen. Diese zangen- und scherenartigen Gebilde fixieren die vordersten Beinpaare des Weibchens während der Paarung. Weibchen besitzen eine vergrößerte Analplatte mit Schrillorgan.
    Geschlechtsbestimmung schwierig, da sich die Tiere bei der geringsten Berührung einkugeln und es bis zu 20 Minuten dauern kann, bis sie sich wieder zum Entkugeln bequemen.
    Man kann die Tiere leicht auf eine weiche Unterlage drücken und fixieren, so daß sie sich nicht einrollen können. Nun kann man sie umdrehen und die letzten Beinpaare suchen. Ein geringes Verletzungsrisiko ist vorhanden, und die Chance, daß es beim ersten Versuch klappt ist etwa 50%. NIE versuchen, Tiere durch Krafteinwirkung zu öffnen. Die Tiere haben spezielle Verschlußleisten, mit denen sie ihre Kugeln von innen abschließen können. Die Tiere Zerbrechen eher als daß sie sich öffnen.
    Die Männchen dieser Art besitzen ein etwas anders geformtes, glockenartiges Analschild.


    Probleme: Viele! Riesenkugler sind schwierig zu Halten. Fast alle Haltungsberichte sprechen davon, daß die Tiere binnen einiger Wochen und Monate eingehen. Von allen Arten ist diese noch am leichtesten zu halten:
    - sie häutet sich ohne Schwierigkeiten
    - es kommt zu keinem Aufweichen ihrer „Rüstung“ bei ausreichender Kalkversorgung
    - sie kommt mit kleinen Becken (<80 cm) gut aus.
    - Die Geschlechter sind etwa gleich groß und ausreichend im Handel vertreten, weiterhin paaren sich die Tiere in Kultur
    Trotzdem gibt es eine große Anzahl von Problemen.
    KEINE Vermehrung in Gefangenschaft (bislang)
    hoher Arbeitsaufwand durch die sehr spezifische Futterwahl (mehrere Liter Laubstreu alle 4-6 Wochen). Umherlaufende Tiere sind meist auf Futtersuche!
    Schmales Temperaturoptimum (19-21°C) und empfindlich gegen Austrocknung. Bei über 25°C kommt es zu Verlusten.
    viele der angebotenen Tiere im Handel sind stark geschwächt oder tot! Geruchsprobe machen. Tiere, die sich nicht mehr vollständig einkugeln oder schon bei leichter Berührung entkugeln sind Todeskandidaten und nicht mehr zu retten.


    Trotzdem, wenn es unbedingt Riesenkugler sein sollen, dann diese Art, da sie durch das Sammeln wohl nicht gefährdet wird.


    So, ich hoffe ich hab nichts vergessen...

  • Update:


    Noch etwa 25 Monaten Pflege sind meine zwei Tiere dieser Art im Mai-Juni während meiner Abwesenheit gestorben. Eventuell war es doch ein wenig zu trocken, bin mir da jedoch nicht so sicher.
    Nachwuchs gab es jedenfalls keinen, die Laufbeine waren auch weder abgefault noch beschädigt. Eines der Tiere war deutlich dunkler gefärbt als das andere.
    Im Terrarium gab es auch eine Überpopulation kleiner, weißer Asseln, welche ich nicht loswerden konnte. Sie beeinträchtigten die adulten nicht, jedoch habe ich immer das dumme Gefühl, dass sie eventuell die Eier und Jungtiere anfressen könnten.


    Seit letzter Woche habe ich wieder 2 Tiere, noch größer als die letzten. Eventuelle Nachzuchterfolge oder sonstige beobachtungen werde ich berichten.