Nachzucht von Rhododesmus mastophorus mastophorus

  • Guten Tag meine lieben Füsserfreunde!


    Abends, bevor ich ins Bett gehe, kontrolliere ich immer noch einmal meine Terrarien bei Dunkelheit mit einer Taschenlampe, um auch mal die nachtaktiven Tiere zu sehe.
    Als ich ins Terrarium mit den Polydesmiden leuchtete, sind mir kleine, weiße Würmchen aufgefallen, die ich zuerst für Bodennematoden hielt. Ich wurde dann allerdings stutzig, als ich genauer hinsah. Der gesamte Bewegungsablauf und auch das Aussehen passte nicht zu Würmern.
    Dieses Terrarium wurde von mir als eines meiner ersten beiden im März dieses Jahres eingerichtet. Der Bodengrund besteht aus Laubwalderde, die ich zu dem Zeitpunkt noch in der Mikrowelle sterilisiert hatte (daher keine eingeschleppten einheimischen Arten). Die sonstige Einrichtung besteht aus Moos und weißfaulem Holz.
    Dieses Terrarium stand zunächst von März bis Ende Mai im Wohnzimmer. Das Wohnzimmer wurde tagsüber nur geringfügig geheizt, so dass die Temperaturen um die 19° C lagen. Das Terrarium befindet sich jetzt in meinem Arbeits-/Terrarienzimmer bei den zur Zeit herrschenden sommerlichen Temperaturen (Minimum 23°/Maximum 27°). Die Außentemperatur gesteuerte Heizung läuft allerdings weiter, um größere Temperaturdifferenzen auszugleichen.
    Während der Wohnzimmerphase waren die Tiere (1:2:0) sehr inaktiv und nur selten zu sehen. Das änderte sich, als sie ins durchgehend geheizte Arbeitszimmer umzogen. Sie waren jetzt die meiste Zeit an der Oberfläche zu sehen und auch Paarungen ließen nicht lange auf sich warten. Das Männchen paarte sich seit dem regelmäßig mehrmals am Tag abwechselnd mit beiden Weibchen. In wie weit sich mein jahreszeitliches Temperaturgefälle auf die Reproduktion ausgewirkt hat, kann ich nicht sagen. In der darauffolgenden Zeit konnte ich beobachten, daß die Tiere die Löcher im Substrat oder auch im Holz (kleine Kavernen), die sie gefressen hatten, mit ihrem Kot regelrecht zu mauerten. Ich vermute, dass sich in diesen Kavernen die Eigelege befunden haben.
    Die Jungtiere sind winzig. Die Kleinsten sind ca. 4 mm lang, die schon etwas Größere haben bereits 6 mm Länge. Alle sind weißlich durchscheinend. Bei den Größeren schimmert der Darmkanal dunkel/bräunlich durch.
    Ich habe gerade mal eine Larve aus dem Terrarium herausgeholt und unter das Mikroskop gelegt. Es sind eindeutig Polydesmiden.
    Die Menge der Jungtiere hält sich im Substrat auf. Beim Durchzählen bin ich auf ca. 70 Tiere gekommen, wobei ich natürlich nur die zählen konnte, die sich auf oder im Substrat in den Hohlräumen entlang der Scheiben aufhielten.
    Die "Dunkelziffer" dürfte den Wert weit übertreffen.


    Nun noch einmal meine Haltungsparameter in Kurzform


    Terrariengröße: 40cm x 25 cm x 30 cm (LxBxH)
    Substrathöhe: 9cm-14cm Laubwalderde (Buche/Eiche) ohne Beimischungen
    Deko-Materialien: weißfaules Holz (Futter) und Moos
    Relat. LF: unbekannt, Sprühen jeden zweiten Tag mit normalem Kranwasser (hoher Härtegrad/starke Kalkablagerungen)
    Temperaturen: März, April, Mai um die 19°, ab Juni Minimum 23°/Maximum 27°
    Beleuchtung: keine, Terrarium steht fensternah, allerdings keine direkte Besonnung


    Mich würden nun eure Beobachtungen interessieren. Wer von euch hat diese Tiere, oder andere Polydesmiden, nachgezüchtet, und kann mir nützliche Hinweise geben.



    Viele Grüße aus dem Sauerland



    Thomas


    Die Tiere nehmen keinerlei Standartfutter, sondern nur weißfaules Holz und verrottetes Laub.

  • Hallo Leute!


    Viel Neues bei meinen Polydemiden gibt es nicht allerdings bin ich ein bißchen besorgt, da ich bei weitem nicht mehr so viele Jungtiere zähle, wie am Anfang. Ich kann allerdings nicht sagen, ob ein Teil verstorben ist (das hoffe ich auf gar keinen Fall, drückt mir mal die Daumen), oder einfach nur tiefer ins Substrat wanderte.
    Viele Jungtiere weisen jetzt eine deutliche Braunfärbung auf.
    Mittlerweile kann ich Larven in drei verschiedenen Größen unterscheiden (3,5 mm/6 mm/8,5 mm), die demzufolge wohl aus 3 Gelegen stammen.
    Von den Größeren konnte ich bisher nur 2 Exemplare ausmachen.
    Eine Beobachtung, die ich jetzt schon 2 mal gemacht habe, möchte ich euch nicht vorenthalten. Vor einiger Zeit kan doch einmal die Diskussion auf, ob Asseln evtl. die Eier oder auch die Larven fressen.
    Ich habe in dem Polydesmiden-Terrarium einheimische Asseln, die sich auch reichlich vermehrt haben. Zweimal begegneten sich Kleinstlarve und ausgewachsene Assel. Die Assel betrillerte nur kurz die Larve mit den Antennen (die Antennen sind schon 2-3 mal so lang sind wie die Larve), dann drehte sich die Assel um und lief in eine andere Richtung weiter.
    So, das war es erst einmal.



    Es grüßt euch alle


    Thomas

  • Hey Thomas!!!
    Ich finde Deinen Bericht auch sehr gut und mag Deinen Schreibstil...
    Sowas muss ja auch mal gesagt werden ;)
    LG JaN

    Eines Tages wird man offiziell zugeben müssen, dass das, was wir Wirklichkeit getauft haben, eine noch größere Illusion ist als die Welt des Traumes...
    Salvador Dali

  • Hallo Martin!


    Ich habe leider keine vernünftige digitale Kamera, die für diesen Zweck ausreichen würde. Morgen kommt allerdings ein Freund, der bringt seine etwas bessere Cam mit. Dann wollen wir einmal schauen, ob wir vernünftige Fotos machen können.


    Hallo liebe Füßer-Gemeinde!


    Eine neue Beobachtung möchte ich den vorherigen hinzufügen.
    Meine Befürchtungen, dass viele Tiere verstorben sind, scheint nicht eingetroffen zu sein. Ich glaube, dass die Larven, im Gegensatz zu den Adulti, sehr lichtempfindlich sind. Ich bin heute erst sehr spät ins Arbeits/Terrarienzimmer gekommen. Das Rollo hatte ich bereits gegen 18.00 Uhr heruntergelassen (Abendsonne) und so war es stockdunkel.
    Oberflächlich konnte ich jetzt ca. 40 Jungtiere zählen und aus dem Substrat tauchten immer wieder neue auf.
    Ich hatte gestern parzellenweise kleine Mengen frischen Laubwaldhumus als Nahrung ins Terrarium eingebracht, den ich allerdings vorher in der Microwelle erhitzt habe.
    Ich kann jetzt nicht sagen, ob die Larven diese Substrat meiden, ich konnte nur keine darauf feststellen. Interessanterweise halten sich die Jungtiere bevorzugt auf dem Kot der Adulti auf. Für alle, die diese Sch. noch nicht gesehen haben: der Kot sieht aus wie ein verkleinerter Kuhfladen, nur in braun. Die erwachsenen Tiere pflastern ganze Flächen des Terrarium damit zu. Ich vermute, dass die Larven mit dem Kot auch die dringend benötigte Darmflora aufnehmen. Es wäre interessant, zu erfahren, ob die Jungen dem Kot noch direkt Nährstoffe entziehen, oder ob sie evtl. Schimmelpilze fressen, die sich bei der hohen Luftfeuchtigkeit dort wahrscheinlich angesiedelt haben.


    Viel Grüße, bis bald



    Thomas

  • Also erst mal Glückwunsch zu dem Nachwuchs.


    Der Großteil der Bandfüßer ernähren sich von Pilzhyphen, die sie in/an Holz und Laub finden. Sterilisieren des Substrates ist wahrscheinlich bei Bandfüßern daher nicht sehr gut, außer das sterilisierte Substrat wird dann sofort vermehrt von Pilzen besetzt ?(
    Ich konnte bei den meisten Nachzuchten von Oxydesmiden, besonders in den Stadien 1-2 feststellen, dass sie sich der Großteil nur unter ganz bestimmten Holzstücken oder in bestimmten Bereichen der Laubschicht aufhielten, also sehr selektiv waren und dort dann auch in größerer Stückzahl saßen. Teilweise konnte man auch an den Stellen Verpilzungen sehen. In dieser Entwicklungsphase kam es häufig zu großen Ausfällen oder auch Totalausfällen (z.B. bei Coromus vittatus, Coromus [lexicon]sp.[/lexicon], Lyodesmus sp.), wahrscheinlich weil die Bedingungen nicht mehr an den Stellen optimal waren. Mit fortschreitender Entwicklung sind die Jungtiere aber dann weniger selektiv und fressen fast alles und die Ausfallrate ist nur noch ziemlich gering. Einen größeren Ausfall in späteren Stadien hatte ich, nachdem ich aus Not Laubstreu aus einem Mischwald (Buche, Fichte) verwendet habe. Nach ca. 2-3 Wochen hat es dreiviertel der [lexicon]NZ[/lexicon] dahingerafft, auch teilweise bei anderen Tausendfüßerarten. Zur gleichen Zeit hatte ich auch ein massenhafte Invasion von wohl kurz zuvor eingeschleppten weißen (tropischen) Asseln in den Becken. Ist also unklar ob die Asseln oder Fichtennadel dran Schuld waren. Die separierten Tiere überlebten zumindest...


    Achso, es handelt sich auch bei deiner Art nicht um R. mastophorus. Sieht eher nach einer Coromus-Art aus, vielleicht C. diaphorus.

  • Hallo liebes Forum/Hallo Peter und Martin


    Millipeter


    Quote

    Ich konnte bei den meisten Nachzuchten von Oxydesmiden, besonders in den Stadien 1-2 feststellen, dass sie sich der Großteil nur unter ganz bestimmten Holzstücken oder in bestimmten Bereichen der Laubschicht aufhielten, also sehr selektiv waren und dort dann auch in größerer Stückzahl saßen.

    Besten Dank für Deine Antwort. Deine Beobachtung habe ich bei meinen Jungtieren ebenfalls gemacht. Die größte Individuendichte konnte ich auf den Exkrementen der Alttiere feststellen und in dem darunterliegenden weißfaulen Holz.
    Bei Dunkelheit kann man gut beobachten, wie die Larven aus den Spalten und Rissen im Holz heraus kommen.
    Ebenfalls werden bei mir offensichtlich ganz bestimmte Stellen im Substrat gemieden. Wenn überhaupt, dann sieht man nur ein einzelnes Jungtier dort.
    Die Tiere habe ich als Rhododesmus mastophorus gekauft, aber bei der Bestimmung verlasse ich mich ganz auf Dich.
    Schau Dir doch mal das angehängte Bild an. Vielleicht kannst Du ja was damit anfangen.


    martin
    Heute waren sie gar nicht mehr so schüchtern. Das Männchen bei einem Paarungsversuch. Das Weibchen war aber offensichtlich nicht in Stimmung und fraß weiter. Kurze Zeit später gab das Männchen auf und trollte sich.


    [Blocked Image: http://home.arcor.de/tho.pie/Diplopoden/Rhododesmus%20mastophorus%20mastophorus.jpg]


    Viele Grüße aus dem dunklen sauerländischen Tann


    Thomas

  • Hallo allerseits, Shura und Peter!


    Ja, ich denke, ihre beide habt recht. Es sind definitiv keine Rhododesmus.
    Shura, wie war das mit dem Computer-Legastheniker :whistling: (autsch, jetzt hab ich mich geoutet) , ich hatte gerade erst gemerkt, dass man die Bilder in der Artenliste durch anklicken vergrößern kann. Jetzt konnte ich die Segmentringe mit den gezackten Flügelrändern erkennen.
    Die haben meine nicht.
    Nach Peters Bestimmung gehören sie ja der Gattung Coromus an. Den Bildern im Artenteil nach zu Urteilen habe ich den Eindruck, daß die diaphorus schmalere Prozonitringe haben und daher kompakter als meine sind.
    Gestern Abend habe ich noch einmal einen Appell durchgeführt und durchzählen lassen. Ich bin auf ca. 50 Jungtiere gekommen.
    Drückt doch mal bitte alle die Daumen, dass zumindest ein paar der Jungen überleben.


    Viele Grüße aus dunklen sauerländer Tann


    Thomas

  • Hallo liebe Diplopoden-Fan-Gemeinde!


    Jetzt sind etwas über 14 Tage rum, seit ich meinen ersten Nachwuchs gesichtet habe. Ich mache mittlerweile jeden zweiten Abend eine Bestandsaufnahme, und zähle in der Regel 50 - 60 Jungiere. Die Individuenanzahl scheint sich, zumindest im Moment, stabilisiert zu haben.
    Tiere, die sich noch im ersten Larvenstadium befinden, sehe ich keine mehr. Die meisten befinden sich offensichtlich im zweiten und eine geringe Anzahl bereits im dritten Stadium. Der Unterschied im Habitus zwischen diesen beiden Stadien ist enorm groß. Kann man die Ordnungszugehörigkeit beim zweiten Stadium nur unter dem Mikroskop deutlich erkennen, so ist sie bei dem dritten Stadium schon mit bloßem Auge zu sehen. Vom Habitus her gleichen sie nun den Adulti. Sie sind mittlerweile auch sehr flott auf den Beinen. Bedingt durch den Luftzug beim Öffnen der Frontscheibe, verschwinden sie sofort im Substrat. Mit Fotos kann ich daher im Moment nicht dienen.
    Durch meine Beobachtungen in den letzten 2 Wochen kann ich jetzt mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass sich die Tiere zumindest in den ersten beiden Larvenstadien vom Kot der Adulti ernähren. Was der Kot an Nährstoffangeboten bereit hält, weiß ich leider nicht, dazu fehlt mir die nötige Fachkenntnis. Evtl bietet der Kot ja tatsächlich Pilzhyphen/ Mycelien die richtige Basis zum Wachstum.


    Ich habe gerade mal zwei Fotos gemacht.


    Foto 1 zeigt den Kot der adulten Tier in seinen typischen "Kuhfladenform". Da er sich an einer sehr trockenen Stelle im Terrarium (vordere Lüftung) befand, wurde er nicht abgeweidet.


    Foto 2 zeigt den Kot der Adulti im abgeweideten Zustand mit Larven bei der Arbeit. Die "Kuhfladenform" ist fast nicht mehr zu erkennen.


    [Blocked Image: http://home.arcor.de/tho.pie/Diplopoden/Coromus-Kot.JPG]


    [Blocked Image: http://home.arcor.de/tho.pie/Diplopoden/Coromus-Larven%20auf%20Kot.JPG]



    Beide Ausschnitte haben in etwa den gleichen Vergrößerungsfaktor. Die eher mäßige Qualität bitte ich zu entschuldigen, besser kann ich leider im Moment nicht.


    Viele Grüße


    Thomas